Selbstmord auf Verbindungshaus
Das deutsche
Verbindungswesen hat seinen ersten handfesten Skandal in diesem Jahr:
Auf dem Haus der katholischen bayerischen Studentenverbindung Rhaetia
München hat sich Ende Februar der als Spezialist für umstrittene
Abmahnverfahren bekannt gewordene Rechtsanwalt Günter Freiherr
von G. selbst erschossen. Der rechtskräftig wegen Betrugs verurteilte
G. (vulgo Graferix) sollte eine Haftstrafe antreten.
G. war in den 90er Jahren durch seine "Tanja"-Briefe bekannt
geworden: Er schrieb unter dem Decknamen "Tanja Nolte-Berndel"
Briefe an Inserenten in PC-Zeitschriften. Wer auf seine Frage nach Kopien
von Spielen wohlwollend reagierte, ekam eine Abmahnung oder eine Anzeige.
Später mahnte er die "tageszeitung" ab, weil sie ihm
eine Bestätigungsmail für ein Newsletterabo geschickt hatte.
Die Zeitung zahlte, G. bestritt den Geldeingang und ließ sogar
die Internetdomain taz.de pfänden. Bei einer Hausdurchsuchung fand
sich dann ein Fax, das die Zahlung der taz bewies Grundlage für
G.s Verurteilung und möglicherweise indirekter Auslöser für
seinen Selbstmord. Verabschiedet hat er sich mit einer E-Mail
"Ein letzter Gruß an die Runde". Darin führte er
laut heise online neben "schwersten Beziehungsproblemen" auch
den wegen angeblich "verbindungsschädigenden Verhaltens"
erfolgten Hinauswurf aus der Rhaetia, Symptome einer möglichen
Krebserkrankung im Enddarm, finanzielle Probleme und seinen bevorstehenden
Haftantritt an. Vor allem durch den Hinauswurf aus der für ihn
offenbar sehr wichtigen Studentenverbindung, bei der unter anderem der
bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle Mitglied ist, sei ihm, so G.,
der "soziale Boden unter den Füßen weggezogen"
worden, weshalb er sich "eine Kugel in den Kopf jagen" wolle.
Empfänger der Rundmail hatten noch die Polizei alarmiert, die G.
aber nicht mehr retten konnte.