Gemeinschaft
für deutsche Studentengeschichte e.V.
Nachrichten-Archiv
2006
Ausgewählte
Informationen aus dem Studenten-Kurier
"Kleines
Studentenwörterbuch"
und noch viel mehr
Das GDS-Veröffentlichungsprogramm im Herbst 2006 GDS-Archiv
für Mitglieder kostenlos!

Das
wird ein bücherreicher Herbst! Gleich drei neue Titel können
GDS und SH-Verlag zur Subskription anbieten - in einem Fall sogar zur
kostenlosen Vorbestellung.
Studentenwörterbuch: Nach über zehn Jahren wird es
endlich wieder lieferbar sein: Friedhelm Golückes Studentenwörterbuch
- 1979 erstmals erschienen und zuletzt 1987 wieder aufgelegt - kommt
noch vor Weihnachten als "Kleines Studentenwörterbuch"
wieder heraus. Der Titel ist allerdings gehörig untertrieben: Immerhin
umfaßt das Werk rund 250 Seiten. Das ist nahezu der Umfang, den
das "Studentenwörterbuch" 1979 hatte, aber nun erstmals
durch 50 Abbildungen ergänzt; vor allem aber wurden alle Informationen
auf den jüngsten Stand gebracht.
Brüderlichkeit:
Nach dem großen Erfolg mit Walter Bloems "Krassem Fuchs"
veröffentlicht der SH-Verlag, gefördert durch die GDS, einen
weiteren Studentenroman dieses Autors: "Brüderlichkeit",
1922 erstmals erschienen, ist eine Absage an den studentischen Antisemitismus,
geschrieben von einem begeisterten Corpsstudenten. Der Autor schildert
den Weg eines jungen jüdischen Studenten, Sohn eines alten Corpsstudenten,
der gegen alle Widerstände seinen Weg in der Verbindung seines
Vaters geht. Er beschreibt detailliert die Ablehnung und die Schikanen,
denen sich Juden in der Weimarer Republik ausgesetzt sahen - ungeachtet
ihres Fronteinsatzes im Ersten Weltkrieg.
Nachdrucke studentenhistorischer Bücher im SH-Verlag sind für
ihre Qualität bekannt: ein vorbildgetreues Druckbild; feines Papier
und sorgfältige Bindung. Nachdrucke, die von Respekt vor dem historischen
Original zeugen und sich trotz ihres günstigen Preises wohltuend
von Billigproduktionen abheben.
GDS-Archiv: Zuverlässig alle zwei Jahre erscheint unser
Periodikum "GDS-Archiv",
2006 nun schon zum achten Mal. Auch diesmal haben wir wieder ein attraktives
Paket von Aufsätzen zusammengestellt, für nahezu jedes Interessengebiet
ist etwas dabei. GDS-Mitglieder erhalten das GDS-Archiv wie gewohnt
kostenfrei. Sie müssen dazu nur die im Studenten-Kurier vorgedruckte
Bestellkarte abschicken.
Corpsstudent
regiert Heidelberg
Die alte Studentenstadt am Neckar wird demnächst sozusagen standesgemäß
regiert: Mit 53,9 Prozent der Stimmen wurde der bisher fürs Umweltressort
zuständige Umweltbürgermeister (Beigeordnete) Eckart Würzner
am 12. November zum Heidelberger Oberbürgermeister gewählt.
Würzner ist Mitglied des Heidelberger Corps Suevia und parteilos;
er wurde von CDU, FDP, Freien Wählern und einer bürgerlichen
Wählervereinigung unterstützt. Eckart Würzner löst
Beate Weber (SPD) ab, die aus Altersgründen nicht mehr antrat.
Trauer
um Jürgen Modrzynski
Im Alter von nur 43 Jahren ist Jürgen Modrzynski am 20. Dezember
2006 an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Modrzynski gehörte
zu den Wiederbegründern des studentischen Korporationswesens noch
unter dem DDR-Regime; seine "Akademische Fechtgemeinschaft Halle/Leipzig"
wurde später zur CC-Landsmannschaft Saxo-Afrania.
Eine ausführliche Würdigung folgt im Studenten-Kurier.
RCDS
Gießen durch Burschenschafter unter Druck
Der CDU-nahe Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS) in Gießen
hat Konsequenzen aus der öffentlichen Debatte um ein Vorstandsmitglied
gezogen, dem Verbindungen in die rechte Szene angelastet wurden. Auf
Druck des Bundes-RCDS trat der komplette Gießener Vorstand Ende
November zurück. Zuvor hatte der im Frühjahr zum örtlichen
RCDS-Vize gewählte Burschenschafter Matthias Müller den Verband
verlassen, und der noch amtierende Vorstand beschloss, dass Angehörige
der Burschenschaft Dresdensia-Rugia nicht RCDS-Mitglieder sein dürften.
Müller gehört dieser Burschenschaft an und soll auch bei einer
NPD-Veranstaltung aufgetreten sein. Dresdensia-Rugia hatte in der Vergangenheit
für Schlagzeilen gesorgt, weil drei ihrer Mitglieder führende
Rollen in der NPD übernommen hatten.
KV ehrt
Koß und trauert um Wilhelm Schreckenberg
Eine gute und eine traurige Nachricht kommen vom Kartellverband katholischer
deutscher Studentenvereine (KV): Der Verband zeichnete Siegfried Koß
am 16. September im Würzburger Kloster Himmelspforten mit dem Ehrenring
des KV-Rates aus. Damit würdige er Koß Engagement für
die Verbandsgeschichte. Koß hat maßgeblich das sechsbändige
Biographische Lexikon des KV bearbeitet, das in der gemeinsam mit der
GDS herausgegebenen Reihe "Revocatio historiae"
erschienen ist. Trauern muß der KV um Wilhelm Schreckenberg. Der
langjährige Schriftleiter der Verbandszeitschrift "Akademische
Monatsblätter" starb am 12. Oktober im Alter von 81 Jahren.
Spitzenmanager
führt Weinheimer Alte Corpsstudenten
Vorsitzender des Weinheimer Verbandes Alter Corpsstudenten für
die Amtsperiode 2007/08 wird der Vorstandschef des Luxusmöbelherstellers
Rolf Benz AG & Co. KG, Frieder C. Löhrer. Seine Erfahrung,
die er auch für die Weinheimer Corps nutzen will: "Veränderungen
nicht folgen, sondern versuchen, diese zu antizipieren", unter
anderem durch Internationalisierung des Corpsstudents und diesbezügliches
Lernen von Rotary- und Lions-Clubs.
Kartellverband
stützt Papst
Der Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV) hat
sich mit seinem Mitglied Papst Benedikt XVI. im Streit um die von ihm
zitierte Islamkritik solidarisiert: "Der Papst ist nicht gegen
den Islam, sondern gegen Gewalt", erkärte der Verband. Zugleich
rief der KV muslimische Mitbürger zu mehr Gelassenheit auf: "Die
vielen len Muslime, die seit Jahrzehnten friedlich in Deutschland leben,
wissen genau: Die deutschen Katholiken sind nicht ihre Feinde. ... Die
Botschaft des Papstes ist nicht die Abgrenzung vom Islam sondern die
Vernunftwidrigkeit von Gewalt."
Farbanschlag
auf Korporationshaus
Bislang unbekannte
Täter haben in der Nacht zum 11. Oktober einen Anschlag auf das Studentenwohnheim
der (verbandsfreien) Burschenschaft Markomannia zu Bingen in der Schloßbergstraße
verübt. Sie schleuderten mehrere mit roter Farbe gefüllte Glasflaschen
gegen die Fassade des Gebäudes. Dabei wurde nicht nur das Traditionswappen
der Verbindung zerstört, sondern auch sonst erheblicher Sachschaden
angerichtet. Über das Ausmaß des Schadens informiert die Verbindung
auf ihrer Internetseite www.markomannia.com.
GDS
stellte PR-Konzept für Korporationen vor

Keine Personengruppe wird im Zusammenhang mit dem Studentenleben ähnlich
kritisch betrachtet wie studentische Verbindungen. Angesichts der Vorurteile,
die den Korporationen entgegengebracht werden, gewinnen diese immer
weniger Mitglieder. Umso wichtiger ist es, Probleme, Schwachstellen
oder Defizite im kommunikativen Bereich zu erkennen und zu lösen.
Das
leistet eine PR-Konzeption: Ein langfristig angelegtes, zielgerichtetes
und strategisch geplantes Leitprogramm, das die Durchführung einer
PR-Kampagne begleiten. Am Beispiel des Vereins Deutscher Studenten zu
Freiburg hat der Frankfurter PR-Fachmann Marc Zirlewagen (hauptberuflich
Redakteur bei der KfW Bankengruppe) diese Pionierarbeit geleistet. Sein
Konzept liegt hier in überarbeiteter Form vor. Es greift auf die
Lehren der PR und die Erfahrungen des Korporationsalltags zurück
und läßt sich so grundsätzlich auf jede Studentenverbindung
(und zahlreiche andere Organisationen) übertragen. "Die Verbindung
zur Zukunft" liegt als Heft 18 der Kleinen
Schriften der GDS vor.
SB mit
neuem Leitbild
Auf neue Verbandsgrundsätze hat sich der Schwarzburgbund auf seiner
letzten Verbandstagung geeinigt. Der SB sieht die Grundlage seiner Verbindungen
danach im Christentum, ohne aber seine Mitglieder auf die Zugehörigkeit
zu einer bestimmten Konfession oder Weltanschauung zu verpflichten.
Ausdrücklich wird eine "Gleichberechtigung der Konfessionen"
gefordert. Neuer Bundessenior (dieser satzungsrechtliche Begriff wird
im SB grundsätzlich in der männlichen Form verwendet) ist
wieder eine Frau auf Kathi Rudloff folgte Sabrina Liebold von
der Schwarzburgverbindung Ostfranken.
Aus
für de.soc.studium.verbindungen
Aus für
ein traditionsreiches Diskussionsforum im Internet: Nach einer Abstimmung
unter ihren Nutzern wird die Newsgroup de.soc.studium.verbindungen gelöscht.
Mit Datum vom 29. Mai löste die Dana,
die deutsche Newsgroup-Administration in Berlin, den Löschungsprozeß
aus. Die Nutzer der Gruppe hatten zum zweiten Mal nach 2004 über
einen Antrag abzustimmen, die Gruppe zurückzuziehen, da in ihr
kaum mehr diskutiert wurde. Im Januar 2003 gab es noch durchschnittlich
21 Mitteilungen pro Tag, im ganzen Monat Januar 2006 waren es noch zwei
Beiträge, also durchschittlich 0,06 pro Tag.111 Teilnehmer
überwiegend Korporierte stimmten der Löschung zu, 39
votierten mit nein, drei enthielten sich, und eine Stimme war ungültig.
Die Gruppe de.soc.studium.verbindungen bestand seit 1995 und war in
ihrer Blütezeit ein Forum für kontroverse Diskussionen zwischen
Anhängern und Gegnern des Korporationsstudententums. Diskutiert
werden soll künftig in de.soc.studium.
Ex-Chefredakteur
der ÖCV-Academia starb
Klaus Zellhofer, ehemaliger Chefredakteur der österreichischen
Academia, ist kurz nach
seinem 39. Geburtstag überraschend verstorben. Zellhofer erlag
in der Nacht zum 30. Mai in Wien einem Herzversagen. Der 1967 geborene
Zellhofer, Ur-Mercure (1987) und Band-Noricer (1991), wurde wegen seiner
Kontakte zum linksgerichteten Journalisten Wolfgang Purtscheller aus
der Mercuria und damit aus dem ÖCV ausgeschlossen. Er erhielt jedoch
das Ehrenband der seiner früheren Bandverbindung Norica eng verbundenen
Mädelschaft Norica Nova. Zellhofer
arbeitete später bei Dokumentationsarchiv Österreichischer
Widerstand, schrieb für die Magazine "Falter" und "Format"
und war schließlich seit 2003 Pressesprecher der Wiener Grünen.
Stiftung
Deutsche Studentengeschichte nimmt Arbeit auf
Die Stiftung
Deutsche Studentengeschichte hat mit einer Vorstands- und Kuratoriumssitzung
am 12. März in Alsfeld (Hessen) ihre Arbeit aufgenommen, die eigene
Internetpräsenz www.stiftung-deutsche-studentengeschichte.de
wurde am folgenden Tag freigeschaltet. Die Stiftung wurde nach langjähriger
Vorarbeit 2005 in Zusammenarbeit mit der GDS errichtet, Rechtssitz ist
Frankfurt am Main. Die Stiftung baut einen Kapitalstock auf, um studentengeschichtliche
Forschungsprojekte, Tagungen und Veröffentlichungen unterstützen
zu können.
Korporierter
WM-Spieler
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland tritt ein
Korporierter für Deutschland an: Bundestrainer Jürgen Klinsmann
berief den Dortmunder Abwehrspieler Christoph Metzelder
in das 23köpfige deutsche WM-Team. Metzelder, Jahrgang 1980, studiert
neben seiner Fußballkarriere an der Fernuniversität Hagen
BWL. Er gehört der CV-Verbindung Silesia (Halle, Bonn) zu Bochum
an.
SPD:
Doch (k)ein Unvereinbarkeitsbeschluß
SPD-Parteivorstand und Präsidium haben am 27. März einstimmig
beschlossen, eine Mitgliedschaft in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft
(BG) mit der SPD-Mitgliedschaft für unvereinbar zu erklären.
Die als rechtsgerichtet geltende Burschenschaftliche Gemeinschaft organisiert
einen Teil der deutschen und österreichischen Burschenschaften
innerhalb wie außerhalb der Deutschen Burschenschaft(DB). Sie
erkennt unter anderem die im Zwei-plus-vier-Vertrag von 1990 völkerrechtlich
festgeschriebene polnische Westgrenze nicht an und vertritt, so die
BG-"Standpunkte" in originaler Rechtschreibung, "den
volkstumsbezogenden Vaterlandsbegriff ohne Rücksicht auf Staatliche
Gebilde und deren Grenzen".
Mit seiner Entscheidung korrigierte der SPD-Bundesvorstand seine Entschließung
vom 16. Januar, mit der ein förmlicher Unvereinbarkeitsbeschluß
abgelehnt worden war. Damals hatte die SPD-Parteispitze lediglich festgehalten,
daß "gegen die Grundsätze der Partei und die Beschlüsse
der Parteiorganisation handelt, wer sich in einer Mitgliedsburschenschaft
der DB engagiert". Die Partei hatte aber darauf verzichtet, Sanktionen
gegen die betroffenen Personen anzukündigen, zumal man keine Möglichkeit
der Einzelfallprüfung sah.
Damit war die Parteiführung weit hinter einer Forderung des SPD-Bundesparteitages
zurückgeblieben, generell zu prüfen, ob "die Mitgliedschaft
in einer studentischen Burschenschaft oder in einem Corps" für
unvereinbar mit einer SPD-Mitgliedschaft erklärt werden könne;
auch eine auf DB-Burschenschaften beschränkte Erklärung fand
nicht die Billigung des Vorstandes.
Der Juso-Bundesvorsitzende Björn Böhning, der zu den schärften
Kritikern der Januar-Entschließung gehört hatte, bezeichnete
den neuen Beschluss als "überfällig". Ebenso wie
der Leiter der Projektgruppe Rechtsextremismus des SPD-Parteivorstands,
Niels Annen, und Sascha Vogt vom Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen
sieht Böhning in der BG einen "rechtsextremen Kampfverband
innerhalb der Deutschen Burschenschaft". Die BG zeichne sich durch
"eine völkische, biologistische und großdeutsche Sichtweise
aus und ist in den vergangenen Jahren immer wieder durch Aktionen im
rechtsextremen Sumpf aufgefallen". Ganz zufrieden sind die drei
immer noch nicht: "Da die Burschenschaftliche Gemeinschaft den
Dachverband der Deutschen Burschenschaft programmatisch, personell und
organisatorisch dominiert, wäre eine Unvereinbarkeit mit der gesamten
Deutschen Burschenschaft der konsequentere Schritt gewesen."
DB und BG nahmen den Beschluß mit Unverständnis auf. "Die
Deutsche Burschenschaft wird sich von der SPD nicht auseinanderdividieren
lassen", erklärten die Vorsitzenden der DB und der BG, Alemannia
Stuttgart und Danubia München.
Neue
HRK-Präsidentin
Neue Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) wurde die
Präsidentin der Universität des Saarlandes, Prof. Margret
Wintermantel. Sie wurde auf der HRK-Plenarversammlung am 21. März
in Bonn gewählt. Zuvor wurde das Amt kommissarisch vom ständigen
Vertreter des Präsidenten, Prof. Burkhard Rauhut, verwaltet. Der
frühere Präsident Prof. Peter Gaehtgens war im November 2005
zurückgetreten. Während bisherige Präsidenten lediglich
eine Aufwandsentschädigung von 25.000 Euro im Jahr bezogen, wird
die neue Präsidentin mit 130.000 Euro Jahresgehalt bezahlt: Es
hatte sich kein Kandidat gefunden, der die Arbeit zu den alten Bedingungen
annehmen wollte.
Steigende
Studierendenzahlen
Nach
einer Prognose der Kultusministerkonferenz wird die Zahl der Studienbewerber
und der Studierenden in den nächsten Jahren weiter steigen. Während
2004 gut 360.000 Schulabgänger an die Hochschulen drängten,
werden es 2011 zwischen 400.000 und 440.000 sein, so eine Prognose der
Kultusministerkonferenz. Bis 2014 werden demnach bis zu 2,7 Millionen
Studenten an deutschen Hochschulen eingeschrieben sein - gut eine halbe
Million mehr als derzeit. Auf diesem hohen Niveau werden die Zahlen
voraussichtlich bis zum Jahr 2020 bleiben. Der Coburger
Convent nahm dies zum Anlaß, die Aufstockung des Lehrpersonals
an den deutschen Hochschulen zu fordern. Im Durchschnitt betreut laut
Kultusministerkonferenz ein Hochschullehrer heute 60 Studierende.