Gemeinschaft
für deutsche Studentengeschichte e.V.
Nachrichten-Archiv 2005
Ausgewählte
Informationen aus dem Studenten-Kurier
SPD will Burschenschafter
ausschließen
Parteivorstand soll Unvereinbarkeitsbeschluß prüfen
CV und CC nun doch nicht betroffen
Die SPD
wird ihren geplanten "Unvereinbarkeitsbeschluß" auf
Burschenschaften, die Angehörige der Deutschen Burschenschaft sind,
beschränken. "Wir werfen nicht alle Mitglieder einer studentischen
Verbindung in einen Topf", erklärte der neue SPD-Generalsekretär
Hubertus Heil gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA).
So dürften CVer weiterhin Mitglied der SPD sein. Es dürfe
aber kein Mitglied einer rechtsextremistischen Burschenschaft Mitglied
sein.
Konkret soll der Parteivorstand nach einem Vorschlag seiner Arbeitsgruppe
Rechtsextremismus beschließen: "Die Mitgliedschaft in einer
Burschenschaft, die Mitglied im Dachverband Deutsche Burschenschaft
(DB) ist, ist mit der Mitgliedschaft in der SPD unvereinbar." Das
wurde der Nachrichtenagentur akadpress mitgeteilt. Allerdings soll es
offenbar Ausnahmen für Mitglieder geben, die sich von rechtsextremistischen
Tendenzen distanzieren.
Der SPD-Bundesparteitag in Karlsruhe hatte am 16. November 2005 einen
Antrag zur Prüfung an den Parteivorstand überwiesen, "die
Mitgliedschaft in einer studentischen Burschenschaft oder in einem Corps
grundsätzlich für unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der
SPD zu erklären". Weiter heißt es in dem Antrag des
Unterbezirks Göttingen: "Ausgenommen sind Burschenschaften
und Corps, die nicht Mitglied einer Dachorganisation sind (Deutsche
Burschenschaften [sic!], Neue Deutsche Burschenschaft, Coburger Bund,
Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen und
deren Unterverbindungen) und sich klar von geschichtsrevisionistischen
Meinungen abgrenzen und in denen es keine Ungleichbehandlung von Mann
und Frau sowie keine Diskriminierungen bestimmter Gesellschaftsgruppen
(z.B. Homosexuelle, AusländerInnen, Wehrdienstverweigerern etc.)
gibt." In der Antragsdebatte sagte ein Delegierter: "Wir brauchen
keine Sexisten und Rassisten in der SPD."
Diese
Formulierungen hatten Empörung beispielsweise beim CV ausgelöst:
"Als größter katholischer Akademikerverband Europas
sind wir durch unsere Prinzipien Amicitia, Scientia, Religio und Patria
einem demokratischen Deutschland in einem geeinten Europa verpflichtet",
sagte CV-Präsident Karlheinz Götz; dazu gehöre der Dialog
mit Angehörigen anderer Religionen und Kulturen ebenso wie der
Respekt vor gesellschaftlichen Minderheiten. Der CC erklärte unter
anderem: "Schon die Nationalsozialisten haben die Korporationsverbände
durch einen Unvereinbarkeitsbeschluß zu diskreditieren versucht."
Die Deutsche Burschenschaft, die auch durch die revidierte Beschlußvorlage
betroffen wäre, widersprach den "völlig haltlosen Unterstellungen"
und erinnerte an eine Gratulation, die sie 1965 von Willy Brandt zum
150. Gründungstag erhalten hatte.
Hätte der SPD-Vorstand die ursprünglich gewünschte Erklärung
abgeben und die Partei dann konsequent gehandelt, so hätte sie
den früheren SPD-Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag Friedhelm
Farthmann (Königsberger Burschenschaft Gothia zu Göttingen)
oder Ex-Bundesbauminister Dieter Haack (Burschenschaft der Bubenreuther
zu Erlangen) ausschließen müssen nach der neue Formulierung
sind bei nicht betroffen, da sie keine Angehörige der Deutschen
Burschenschaft sind. Und nur möglicherweise hätte Johannes
Kahrs, Sprecher des Seeheimer Kreises und Hamburger Wingolfit, ebenso
Glück gehabt wie Klaus Schucht, früherer Wirtschaftsminister
von Sachsen-Anhalt (Corps Silesia Breslau) oder Klaus Hänsch, Ex-Präsident
des Europäischen Parlaments (Corps Silingia Breslau zu Köln):
Ihre Verbindungen gehören zwar einer "Dachorganisation",
aber keinem der namentlich erwähnten Verbände an. Es sei denn,
ihren Korporationen - alles Männerbünde - wäre parteiamtlich
eine "Ungleichbehandlung von Mann und Frau" vorgeworfen worden.
Prominente
CVer in der SPD sind übrigens nicht bekannt; der frühere Bundeswirtschaftsminister
Werner Müller (Churpfalz Mannheim) ist zwar enger Vertrauter des
bisherigen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, aber kein SPD-Mitglied.
GDS
veröffentlicht Stamm-Buch der Urburschenschaft
Im September erscheint als Band 14 der Abhandlungen zum Studenten- und
Hochschulwesen ein wissenschaftlich ediertes Mitgliederverzeichnis der
sogenannten "Urburschenschaft". Zentrale Quelle ist das im
Original im Besitz der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller Jena
erhaltene "Stamm-Buch der Jenaischen Burschenschaft" 1815-1819.
Es enthält auf 76 Seiten die Namen von insgesamt 859 Mitgliedern
der Jenaischen Burschenschaft. Das waren etwa 60 Prozent aller Studenten,
die zwischen dem SS 1815 und dem WS 1819/20 in Jena studierten. Unter
ihnen waren der spätere Paulskirchen-Präsident Heinrich von
Gagern, der spätere Verleger Johann Georg Frommann, Carl Wilhelm
von Knebel - ein illegitimer Sohn von Großherzog Carl August -,
der Dichtersohn Ernst von Schiller und der Theologe Heinrich von Ranke,
ein Bruder des Historikers Leopold von Ranke. Eine kritische Ausgabe
dieses Verzeichnisses, ergänzt durch weitere Quellen, liegt hier
erstmals vor. Durch das "Stamm-Buch" belegt ist auch, daß
der Mörder Kotzebues, Karl Ludwig Sand, und ein Sohn des Ermordeten,
August Julius von Kotzebue, Bundesbrüder waren - welch eine Ironie
der Geschichte.
Das Buch kann schon jetzt vorbestellt werden: Peter Kaupp (Bearb.),
Stamm-Buch
der Jenaischen Burschenschaft. Die Mitglieder der Urburschenschaft
1815-1819. (Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen 14) Ca. 180
S., geb. EUR 29,80 / für GDS-Mitglieder EUR 19,80. ISBN 3-89498-156-3.
Sammlung
Zerbes im GDS-Institut
Das GDS-Institut in Paderborn wird durch
eine einzigartige Sammlung bereichert: Es ist uns gelungen, die Sammlung
Zerbes zu erhalten. Der verstorbene Studentenhistoriker Georg Zerbes
hatte, wie durch seine drei Kataloge bekannt sein dürfte, eine
Sammlung studentischer Wertmarken aller Art aufgebaut. Sein Sohn Dr.
Rudolf Zerbes, Wuppertal, ist zu dem Schluß gekommen, daß
es die beste Lösung im Sinne seines Vaters sei, die Sammlung bei
uns sicher aufgehoben zu wissen. Damit haben die GDS- Sammlungen einen
weiteren erfreulichen Zuwachs erhalten, dem wohl andern Ortes nichts
Vergleichbares gegenübergestellt werden kann.
Gründerverbindungen
führen den CV
Seit dem 1. August 2005 ist das neue Vorortspräsidium Aenania nun
im Amt. Ergänzt werden die fünf Cartellbrüder aus der
KDStV Aenania zu München durch zwei Aktive der KDStV Winfridia
Breslau zu Münster. Im Jubiläumsjahr des Cartellverbandes
ist dies kein Zufall, entstand doch 1856 aus dem Briefwechsel dieser
beiden Korporationen der CV. Nächstes Jahr wird die Amtszeit des
neuen Präsidiums in der 120. Cartellversammlung in München
mit Sicherheit ihren Höhepunkt finden. Dass auch die österreichischen
Cartellverbindungen diesen Anlass nutzen, um gemeinsam mit dem deutschen
CV zu feiern, ist besonders hervorzuheben. Die enge Verbindung von CV
und ÖCV wird auch im gemeinsamen Übergabekommers in Götzis
am 10. September 2005 deutlich. Unter www.vorort-aenania.de
gibt es Informationen rund um die Mitglieder, Kontaktdaten und das hochschulpolitische
Programm für das Amtsjahr 2005/2006. Das Vorortspräsidium:
Hans Pongratz (Aenania, VOP), Michael Tyllack (Aenania, Haushalt), Rainer
Ortmann (Winfridia, Bildung), Peter Schwertsik (Aenania, Hochschulpolitik),
Rudolf Hautmann (Aenanna, Organisation), Marco Piranty (Aenania, Ausland),
Christoph Wüllner M.A. (Winfridia, Presse).
CV
in Jena
Der CV wird in Jena eine eigene Verbindung aufbauen. Möglich wird
dies durch den Umzug der KDStV Saarland zu Saarbrücken in die thüringische
Universitätsstadt. Dies hat der Cumulativconvent der Saarland im
Juli beschlossen. Bereits seit Oktober 2004
gibt es in Jena den Zirkel katholischer Akademiker St. Michael.
Razzia
bei Professor und Promotionsberater
Die
Polizei hat die Dienst- und Privaträume eines Juraprofessors aus
Hannover, die Wohnung einer Studentin und die Geschäftsräume
eines Unternehmens für "Wissenschaftsberatung" in Bergisch
Gladbach durchsucht, das Doktoranden mit Dienstleistungen unterstützt.
Vorwurf unter anderem: Die Geschäftsführer des Bergisch Gladbacher
Unternehmens hätten dem Professor insgesamt 51.000 Euro gezahlt;
dafür habe der Mann vom Unternehmen vermittelte Doktoranden angenommen
und bis zur Promotion betreut, obwohl ihnen die Voraussetzungen dafür
gefehlt hätten. Es soll um "deutlich mehr als ein Dutzend"
Bewerber gehen. Gegen den Professor wird wegen Bestechlichkeit, gegen
die Unternehmer wegen Bestechung ermittelt. Zudem soll der Professor
eine studentische Hilfskraft gegen "körperliche Zuwendung"
besser als angemessen benotet haben.
Jura-Studentin
leitet aktiven UV
Neue Vorortspräsidentin beim Verband der wissenschaftlichen katholischen
Studentenvereine Unitas (UV) ist Elisabeth Fels (22). Die Jura-Studentin
gehört der Unitas-Verbindung Clara Schumann in Bonn an, der bei
der 128. Generalversammlung des UV in Bonn zum Vorort gewählt wurde.
Dem UV gehören zur Zeit 900 Aktive und 7000 Alte Herren bzw. Hohe
Damen an.
Ein
CVer regiert NRW
Neuer
Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist Jürgen Rüttgers
(KDStV Rappoltstein Straßburg zu Köln im CV). Der CDU-Politiker
führt eine christlich-liberale Koalition, die erste nach 39 Jahren
SPD-geführter Landesregierungen.
Der
Papst ist korporiert
Papst Benedikt XVI. ist korporiert: der bisherige
Kardinal Joseph Ratzinger gehört dem KStV Liechtenstein Hohenheim
(inzwischen: zu Erfurt) im KV an; später wurde er Ehrenmitglied
des KStV Isaria zu Freising und des KStV Alemannia zu München.
Ebenso ist er seit 1978 als Ehrenmitglied der CV-Verbindung Rupertia
Regensburg, ferner bei Alcimonia Eichstätt und Capitolina Rom.
Ein seltener, aber kein einmaliger Fall: Bereits Pius XII. (Eugenio
Pacelli) war korporiert. Er hatte das Band einer CV-Verbindung, nämlich
der Trifels München.
Spannungen
zwischen Burschenschaftern
Die
Neue Deutsche Burschenschaft (NDB) wirft der Deutschen Burschenschaft
(DB) vor, ihre Mitglieder zu "diskriminieren". Hintergrund
des Konflikts zwischen den beiden Verbänden um die Vereinigungen
alter Burschenschafter (VAB). Dort sind sowohl Angehörige von DB-
als auch von NDB-Burschenschaften organisiert - bei der Gründung
der NDB 1996 wurde keine Trennung der VABen vollzogen. Nun hat der Dachverband
der VABen, der Verband der Vereinigungen Alter Burschenschafter (VVAB),
seine Satzung neu formuliert und dabei alle VABen auf die Grundsätze
der DB verpflichtet. Reaktion der NDB: Sie will den Austritt ihrer Mitglieder
aus VABen unterstützen, die Mitglied der VVAB sind, und beim Aufbau
neuer VABen helfen. - Zur Vorsitzenden Burschenschaft für 2005
wurde einstimmig die Erlanger Burschenschaft der Bubenreuther gewählt.
Tod bei
Depositionsritus
Es ist wieder einmal passiert: Ein amerikanischer Student ist Anfang
Februar beim "Hazing", so heißen die heute noch üblichen
Depositionsriten in US-Studentenverbindungen (Fraternities), ums Leben
gekommen. Matthew William Carrington, Student der California State University
in Chico, starb, nachdem er an die 20 Liter Wasser hatte trinken müssen,
an einer dadurch verursachten extremen Senkung des Natrumspiegels im
Blut. Seine Verbindung Chi Tau hatte ihre Anerkennung durch die Universität
allerdings schon 2002 wegen Alkoholexzessen verloren und unterhielt
keinerlei Kontakte zu anderen US-Fraternities, Todesfälle beim
"Hazing" kommen aber auch bei anderen Fraternities immer wieder
vor, meist nach extremen Alkoholgenuß, vereinzelt aber auch wie
diesmal beim Wassertrink-Ritual. In der Vergangenheit mußten Verbindungen
und Universitäten nach solchen Vorkommnissen oft Schadenersatzzahlungen
in sechs- bis siebenstelliger Höhe leisten.
Trauer um Kardinal Bafile
Die katholische Kirche trauert um ihren ältesten Kardinal, der
deutsche CV um einen beliebten Cartellbruder: Corrado Kardinal Bafile
ist am 3. Februar im Alter von 101 Jahren in Rom gestorben. 15 Jahre
lang, von 1960 bis 1975, war Bafile Nuntius in Bonn und erhielt in dieser
Zeit die Ehrenmitgliedschaft der KDStV Ripuaria Bonn. Seine Verbindungen
zu Deutschland waren aber viel älter: Bevor er sich für den
Priesterberuf entschied, hatte er in München Chemie studiert. Kardinal
Bafile war bewußt CVer und empfing gern den Besuch seiner Cartell-
und Bundesbrüder - zuletzt noch anläßlich seines 100.
Geburtstages am 4. Juli 2003. Ältere Cartellbrüder haben den
liebenswürdigen und lebensfrohen Geistlichen auch noch als Kenner
erlesener Zigarren
erlebt
CV in Ingolstadt
Die am 30. Juli 2004 neu gegründete CV-Verbindung KDStV
Aureo Danubia zu Ingolstadt hat dem Vorsitzenden im CV-Rat und AHB-Vorsitzenden
Karlheinz Götz (Rup) am 10. Dezember 2004 ihr Band verliehen. Götz
möchte damit seine Unterstützung für die neue Verbindung
zum Ausdruck bringen. Die Aureo Danubia hat mit 17 Füxen einen
erfreulichen Start hingelegt. Im Internet zu besuchen unter: www.aureo-danubia.de.