[Homepage]

Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte e.V.

Nachrichten-Archiv 2004
Ausgewählte Informationen aus dem Studenten-Kurier

Civis Academicus wieder da
Rechtzeitig zu Weihnachten ist die aktuelle Ausgabe (2005/06) des Civis Academicus erschienen. Der Civis ist das unentbehrliche Adreßverzeichnis für alle Koporierten und Akademiker. Er enthält:
- aktuelle Adressen aller Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Angabe der Fachbereiche
- aktuelle Adressen aller Studenten- und Schülerverbindungen sowie anderer studentischer Vereinigungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Aktivitas und Altherrenverband) mit Telefon- und Faxnummern
- Adressen von Verbindungen in anderen Ländern: vom Baltikum bis Japan, von Frankreich bis Chile
- Adressen und Kurzdarstellungen zu allen korporationsstudentischen Dachverbänden sowie zu den studentenhistorischen Fachvereinigungen
- den "Findex" sowohl für adademische als auch für Schülerverbindungen, das wichtigste Hilfsmittel zum Auffinden von Korporationen, die fusioniert sind oder ihren Ort gewechselt haben
- einen Abbildungsteil mit Übersicht über die Verbandsabzeichen.

VVDSt ehrte Ehlers
Der Verband der Vereine Deutscher Studenten ehrte Hermann Ehlers (CDU), Bundestagspräsident und VDSter, anläßlich seines 50. Todestages im Oktober mit einer Tagung am Kyffhäuser (Thüringen), dem Gründungsort des Verbandes. "Die große Resonanz von Aktiven und Alten Herren macht deutlich, wie wichtig Bundesbruder Ehlers für den Wiederaufbau unseres Verbandes nach dem Krieg war und inhaltlich bis heute ist", erklärte Dirk Christian, Vorsitzender des neuen Vororts Königsberg-Mainz. In Ehlers Sinn werde man die korporativen Traditionen des Verbandes weiter stärken.

SV mit neuem Vorstand
Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV) hat auf seiner Verbandstagung am 6. ovember in Marburg seinen Vorstand für das Jahr 2005 gewählt. Vorsitzender im kommenden Jahr ist Frank Titze (AMV Fridericiana Marburg), Kassenwartin Silvia Ockenfels (AMV Fridericiana Marburg), Schriftwart Martin Volkhardt (AMV Waltharia Frankfurt). Weiterhin wurde für zwei Jahre Ulrich Witt (AH der StMV Blaue Sänger Göttingen, AMV Waltharia Frankfurt) zum Pressesprecher des SV berufen. Musikwart bleibt weiterhin AH Felix Gunkel (AMV Fridericiana Marburg). Der SV besteht derzeit aus 22 aktiven Bünden mit insgesamt 431 Aktiven. Der Verband Alter SVer (VASV), der parallel dazu ebenfalls in Marburg tagte, hat AH Günther Katzenberger (AGV München, AMV Innsbruck, rechts im Bild) aufgrund seiner langjährigen Verdienste um den Verband zum Ehrenphilister ernannt. Vorsitzender des VASV ist weiterhin Friedhelm Hassel (AMB Ingvaeonia Münster).

Trauer um H. W. Kaller
Am 17. November verstarb im 66. Lebensjahr Mag. iur. et rer. soc. oec. Hans-Werner Kaller II. Gebürtiger Wiener, wurde Kaller 1960 bei Hellas recipiert. Nach dem Studium trat er in den Staatsdienst und beendete seine Laufbahn als Richter am Bezirksgericht Liezen (Steiermark). 1984 wurde ihm das Band des Erz verliehen. Kaller war bis zu seinem Tod nicht nur ein engagierter Alter Herr, sondern erwarb sich in zahlreichen Gremien und Funktionen auch große Verdienste um das Kösener Corpsstudententum und prägte insbesondere die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Corps und machte sich besonders um den interkorporativen Gedanken verdient.

Neue GDS-Veröffentlichung: Die Arbeit des Studentenhistorikers
Ende Juni 2004 erschien der jüngste Band der Kleinen Schriften der GDS: "Die Arbeit des Studentenhistorikers", herausgegeben von Bernhard Grün (88 Seiten, EUR 11,80 bzw. für GDS-Mitglieder 7,80). Das Buch ist entstanden, um historisch Interessierten einen Leitfaden an die Hand zu geben für die Arbeit in bzw. mit Archiven und die Erstellung wissenschaftlicher Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Studenten- und Hochschulgeschichte. Da Archivwesen und Geschichtsforschung eng miteinander verknüpfte Arbeitsgebiete sind, die zudem gerade in den Korporationen oft von demselben Personenkreis wahrgenommen werden, haben die fünf Autoren dieses Buches aufbauend auf den allgemeinen Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens v. a. auf die spezifischen Besonderheiten des studentischen Korporations- und Verbandswesens Bezug genommen.

In Frankfurt am teuersten
Billig war das Studentenleben noch nie. Im Westen belaufen sich die Lebenshaltungskosten von Studenten auf durchschnittlich 720 Euro im Monat, in den neuen Ländern auf 613. Den größten Etatposten bildet die Miete - im Schnitt 260 Euro (West) bzw. 200 Euro (Ost). Die teuersten Mieten zahlen Studenten nach einer Übersicht des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Frankfurt am Main (325 Euro), Hamburg (305), München (301), Darmstadt und Köln (jeweils 297), Mainz (287), Düsseldorf (281), Bremen (280), Heidelberg (275) und Berlin (272 Euro); am billigsten wohnt es sich in Ilmenau (181), Erfurt (182), Chemnitz (184), Jena und Dresden (jeweils 192), Magdeburg (204), Halle und Rostock (jeweils 206), Greifswald (207) und Leipzig (210 Euro).

Kampfabstimmung beim StV
Den nicht alltäglichen Fall einer Kampfabstimmung gab es dieses Jahr im Schweizerischen Studentenverein (StV). Bei der Wahl des Zentralpräsidenten setzte sich Thomas Amann (Angelomontania, Bodania, Neu-Romania) mit 249 von 454 Stimmen gegen Michael Marty (Markovia, Welfen) durch. Kampfwahlen hatte es zuletzt 1991 und 1994 gegeben, davor viermal in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Schwarzburgbund verläßt CDK
Der Schwarzburgbund, ein Dachverband christlich orientierter Studentenverbindungen, verläßt den Convent Deutscher Corporationsverbände (CDK) zum Jahresende 2004. Das beschloß der Verband auf dem Chargiertenconvent des Schwarzburgtages 2004. Begründung: Im CDK fehle es - systembedingt durch den ständigen Wechsel der Vorstände - an Kontinuität, zudem sei nicht klar, welche eigenen Leistungen dieser Convent aktiver Korporationen neben dem CDA überhaupt erbringen könne. - Zum neuen Bundesvorsitzenden wurde der pensionierte Maschinenbauingenieur Gerhard Fischer (SBV Ostfranken) gewählt, der neue Bundessenior Sebastian Kern von den Uttenreuthern studiert im fünften Semester Computational Engineering.

Neugründung in Ingolstadt
In der AUDI-Stadt Ingolstadt gibt es eine neue CV-Verbindung: die KDStV Aureo-Danubia. Beim Gründungskommers am 30. Juli 2004 im Gästefoyer des Autoherstellers konnten zwölf neue Bundesbrüder rezipiert werden.

ÖCV contra Bischof Krenn
Der Österreichische Cartellverband (ÖCV) hat von den Verantwortlichen der Diözese St. Pölten verlangt, ein Signal zur Beendigung der "skandalösen Mißstände" am dortigen Priesterseminar zu setzen. Bisher hätten sie ein "katastrophales Krisenmanagement" an den Tag gelegt. Vorfälle wie in St. Pölten zeichneten ein völlig falsches Bild der katholischen Kirche in Österreich. Damit setzt sich der ÖCV als größte katholische Laienorganisation des Landes klar von dem Kurs des Bischofs Kurt Krenn ab, der die Funde von zum Teil kinderpornographischen Bildern auf Rechnern des Seminars sowie homoerotische Beziehungen zwischen Führungskräften und Studenten des Seminars als "Bubenstreiche" verharmlost hat.

Rainer A. Müller verstorben
Die Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte (GDS) trauert um ihr Mitglied Prof. Dr. Rainer A. Müller, Herausgeber ihrer Schriftenreihe "Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen". Der bekannte Universitätshistoriker starb am 22. Mai nach schwerer Krankheit in München. Er wurde nur 60 Jahre alt.
Schon seine Doktorarbeit über "Universität und Adel" an der Universität Ingolstadt (1971) und seine Habilitationsschrift über das bayerische Lyzealwesen 1773-1849 (1986) waren der Universitätsgeschichte gewidmet. Einem breiten Leserkreis wurde er durch seine 1990 erschienene "Geschichte der Universität" bekannt. Seit 1988 lehrte er Geschichte der Frühen Neuzeit in Eichstätt. Gern hat er sich dort auch für die Belange seiner Studentenverbindung, des W.k.St.V Unitas Frankonia, eingesetzt.
Er war Herausgeber mehrerer Schriftenreihen, so des "Historischen Jahrbuchs" der Görres-Gesellschaft und der GDS-Reihe "Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen". In dieser Reihe gab er auch den Band über "Promotionen und Promotionswesen an deutschen Hochschulen der Frühmoderne" heraus (2001). Das Forschungsprojekt, aus dem dieses Buch hervorging, sollte eine der letzten großen Arbeiten sein, die Müller begründen konnte. Die letzten anderthalb Jahre seines Lebens hatte er mit den Folgen einer schweren Herzerkrankung zu kämpfen, an denen er nun gestorben ist.

Neuer Präsident beim Hochschulverband
Der Deutsche Hochschulverbandes, der Standesvertretung der deutschen Professoren, hat einen neuen Präsidenten - und der ist gleich in doppeltem Sinne Nachfolger des bisherigen Präsidenten Hartmut Schiedermair: Der Kölner Völkerrechtler Bernhard Kempen hat auch Schiedermairs akademische Ämter als Leiter des Instituts für ausländisches und öffentliches Recht und Völkerrecht sowie als Geschäftsführender Direktor des Institut für deutsches und europäisches Wirtschaftsrecht übernommen. Kempen, der sich auch in seiner Funktion als Standesvertreter als Wissenschaftler und nicht als Funktionär sieht, ist übrigens korporiert: Er gehört der KDStV Markomannia im CV zu Würzburg an.

Promotionskosten absetzbar
Die Kosten für den Erwerb eines Doktortitels bei einem berufsbegleitenden Studium können als Werbungskosten oder Betriebsausgaben steuerlich absetzbar sein. Voraussetzung sei, daß die Promotion beruflich veranlaßt sei, entschied der Bundesfinanzhof in einem am 4. Februar 2004 veröffentlichten Urteil (VI R 96/01). Damit hat das höchste deutsche Steuergericht seine bisherige Rechtsprechung revidiert, in der der Erwerb eines Doktortitels regelmäßig den Aufwendungen für die Lebensführung zugeordnet wurde, die nur in den Höchstbeträgen als Sonderausgaben berücksichtigt werden können. Ein Grund für neue Bewertung sei, daß der Doktortitel für das berufliche Fortkommen von erheblicher Bedeutung oder sogar unabdingbar sein könne. Der Bundesfinanzhof mußte bisher nicht darüber entscheiden, ob dies auch für ein Studium sowie eine Promotion gleich nach dem Abitur gilt. Studenten sollten Belege vorsichthalber einmal sammeln, um die Kosten gegebenenfalls später geltend machen zu können, sagte der Vorsitzende Richter des zuständigen sechsten Senats, Prof. Walter Drenseck.

Rektoratsgebäude mit Couleur-Tradition
Mommsenstraße 11 in Dresden - für Angehörige der Dresdner Sängerschaft Erato keine Adresse wie jede andere: Hier stand und steht das 1926 eingeweihte Verbindungshaus, das allerdings 1942 vom NSD-Studentenbund beschlagnahmt worden war und nach 1945 als "NS-Eigentum" verstaatlicht wurde. Nach der Wende war eine Rückerstattung nicht möglich, denn die Universitätsbibliothek Dresden, die das Haus genutzt hatte, hatte einen Anbau errichtet. Nach dem Auszug der UB sann die Universität über eine neue Nutzung nach und brachte schließlich das Rektorat dort unter. Bei allem Bedauern über den endgültigen Verlust ihres Hauses freuen sich die Eratonen über die sorgfältige Restaurierung, durch die die alten Fliesen mit couleurstudentischen Motiven sowie Ehrentafel und Wappenschild im Eingangsbereich wieder in altem Glanz erstrahlen. Am 7. November 2003 erlebte das Eratonenhaus seine zweite Einweihung in Anwesenheit eines der letzten Hausbewohner, des Dresdner Emeritus Prof. Rudolf Reuter, und des Altherrenseniors Hanns H. Bössler.

Studenten melden sich massenhaft ab
Durch die neuen Semestergebühren, die in Nordrhein-Westfalen vor allem für Langzeitstudenten gelten, verlieren die Hochschulen des Landes zahlreiche Studenten. Die Gebühren werden zum Sommersemester eingeführt.
Nach einem Bericht der "Kölnischen/Bonner Rundschau" erwartet die Universität zu Köln, daß sich 10.000 ihrer 62.000 Studenten abmelden oder zwangsexmatrikuliert werden. Insgesamt werden 20.400 Gebührenbescheide verschickt, jeder dritte Student hier soll also zahlen. Dabei gelten 11.000 als Langzeitstudenten, weil sie die Regelstudienzeit um das Anderthalbfache überschritten. Der Rest sind Studenten mit Zweitstudium und Senioren. Köln besitzt vor München die größte deutsche Universität. Die Universität Bonn hat 8.000 Bescheide verschickt und rechnet mit 3.000 bis 4.000 Abmeldungen. Insgesamt sind hier 38.000 Studenten eingeschrieben. Die Fachhochschule Köln, mit 18.000 Studenten größte deutsche FH, hat 4000 Studenten angeschrieben, um zu klären, ob sie gebührenpflichtig sind. Eine Auswertung des Rücklaufs fehlt noch, doch haben sich offenbar viele Studenten abgemeldet. Ebenfalls eine größere Zahl drohte mit rechtlichen Schritten. Die Semestergebühr beträgt 650 Euro. Gegen die Bescheide kann Widerspruch eingelegt werden; der Asta ruft dazu grundsätzlich auf. Unabhängig davon zahlen alle Studenten wie bisher Sozialbeiträge (Köln: 113, Bonn: 127 Euro).

Überfall auf Burschenschaft
In der Nacht vom 17. auf den 18. Januar wurde die Burschenschaft Alemannia Freiburg von einer größeren Gruppe Punker und sog. Antifaschisten überfallen, die sich von einer Demonstration und einer Hausbesetzung in der Innenstadt abgespalten hatten. Es wurden zahlreiche Fenster zerstört und einige Randalierer brachen die Tür auf und begannen das
Mobiliar im Hausinneren zu zerstören. Obwohl die Polizei sehr schnell vor Ort war, wurde ein Sachschaden von EUR 10.000 oder mehr angerichtet. Mindestens 20 Personen wurden festgenommen. Die Szene feierte ihren Erfolg: "Die Burschenvilla wurde entglast und die Inneneinrichtung gesmasht." Die Freiburger Burschenschaft Alemannia versteht sich als ausdrücklich als liberal und gehört der "Neuen Deutschen Burschenschaft" an. Der Verband ist in bewußter Abgrenzung einiger lautstarker und politisch weit rechts stehender Burschenschaften in der DB entstanden. Auch die Alemannia hat mittlerweile den Vorgang auf ihrer Seite dokumentiert.

Deutsch-österreichische Cartellversammlung
Der deutsche und der österreichische CV werden sich im Jahr 2006 erstmals zu einer gemeinsamen Cartellversammlung treffen. Nachdem auch der Studententag des ÖCV am 10. Januar 2004 zugestimmt hat, ist dieser Beschluß beider Verbände perfekt. 2006 feiert der CV seinen 150. Geburtstag, und die Cartellversammlung wird in München stattfinden - am Sitz der ersten CV-Verbindung Aenania. Die österreichischen CVer hatten als Reaktion auf die Gleichschaltung des Verbandes unter Hitler 1934 ihren eigenen Verband gegründet.

 

[Diese Seite ausdrucken]    

© 2003 by GDS -
Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte e.V.
Webdesign: Michael Neuß