Gemeinschaft
für deutsche Studentengeschichte e.V.
Nachrichten-Archiv 2003
Ausgewählte
Informationen aus dem Studenten-Kurier
Caesar,
Hannibal und Sokrates
Klassische
Bildung verrät die Auswahl von Couleurnamen ("Bierspitzen")
beim österreichischen Mittelschüler-Kartellverband (MKV).
In einer wohl einzigartigen Statistik hat der Verband das Vorkommen
der beliebtesten Coleurnamen erfasst. Auf Platz 1 liegt "Caesar"
mit 115 Nennungen, es folgt "Bacchus" mit 106. Die Nächstplazierten
sind "Cicero" (104), "Sokrates" (99) und "Hannibal"
(95). Ausführliche Informationen in Studenten-Kurier 4/2003.
Burschenschaften
greifen Fall Hohmann auf
In einem Offenen Brief an die Delegierten des Leipziger
CDU-Bundesparteitages Anfang Dezember hat die Deutsche Burschenschaft
(DB) der CDU "feiges Zurückweichen vor linkem Meinungsdruck"
vorgeworfen. Die DB bezieht sich dabei auf das von ihr verurteilte Vorgehen
gegen den zwischenzeitlich aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ausgeschlossenen
Abgeordneten Martin Hohmann. Nach Ansicht des DB-Verbandsrats hat Hohmann
"zwar eine umstrittene, aber keineswegs antisemitische oder gar
rechtsradikale Rede gehalten". Die DB will nun führende Vertreter
der
CDU auf die Handhabung der Meinungsfreiheit ansprechen. Danach soll
darüber beraten werden, ob den zahlreichen Burschenschaftern in
den Unionsparteien empfohlen werden soll, aus CDU und CSU auszutreten.
Neuer
Vorstand im CDK
Der Convent
Deutscher Korporationsverbände (CDK) wird nun von Jörn Schwarzer
(VDSt Dresden) als Vorsitzendem geführt. Weitere Vorstandsmitglieder
sind Heinz Laukamp (Bonner Wingolf) und Oliver Laukamp (ATB Frankfurt).
Ab 2004 soll es ein regelmäßiges CDK-Informationsblatt geben.
Trauer
um Alfred Thullen
Der Studentenhistoriker
Prof. Dr. med. Alfred Johann Thullen, Träger der Herman-Haupt-Medaille
der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung, ist
am 18. September 2003 im 91. Lebensjahr verstorben. Thullen gehörte
der Jenaischen Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller an und ist
weit über deren Kreise hinaus mit studentengeschichtlichen Büchern
bekannt geworden. Auch
die GDS trauert um ihr Mitglied Alfred Thullen.
GDS
präsentiert Hörbuch
Das hat
es noch nicht gegeben: Ein Hörbuch mit studentischen Texten von
Brentano bis Spoerl. "Und wieder
sprach der Rodenstein ... - Studentische Texte aus drei Jahrhunderten"
lautet der Titel anknüfend an einen Gedichtzyklus des wohl
bekanntesten Studentendichters des 19. Jahrhunderts: Josef Viktor von
Scheffel. Spiritus rector des Projekts ist Raimund Lang.
Ins
Fernsehen gegen Kostenbeteiligung?
Neue Wege
bei der Berichterstattung über Korporationen geht der Mitteldeutsche
Rundfunk. Die öffentlich-rechtliche Anstalt hatte in ihrer Serie
"Auf den Spuren berühmter Lieder" die Sängerschaft
St. Paulus Jena singen lassen und plante nach den guten Erfahrungen
mit den Sängerschaftern eine breitere Berichterstattung. Nur stellte
sich bei den Planungen heraus, dass die Produktionskosten dem Sender
zu hoch sind. Der MDR trat an die Deutsche Sängerschaft mit der
Bitte um eine Kostenbeteiligung heran - Umfang: schätzungsweise
20.000 bis 25.000 Euro! Die Deutsche Sängerschaft hat noch nicht
darüber entschieden, sondern will dies im schriftlichen Verfahren
nachholen.
Wachwechsel
bei Corpsstudenten
Nach vier
Jahren wechselt turnusmäßig der Vorstand beim Verband Alter
Corpsstudenten; der bisherige Vorstand Halle-Salzmarkt hatte auf eine
erneute Kandidatur verzichtet. Als VAC-Vorsitzender löst nun Rechtsanwalt
Gero Krull (Corps Suevia München) Apotheker Gerhard Daniel (Corps
Palaiomarchia-Masovia und Palaiomarchia) ab. Stellvertretender VAC-Vorsitzender
wird Sebastian Stigler (Corps Bavaria München), Schatzmeister Michael
B. Marx (Corps Hercynia und Markomannia Breslau), Beisitzer werden Bernd
Rauen (Isaria) und Christian Kahlenberg (Franconia Jena). Der neue Vorstand
München übernimmt das Amt am 1. Januar 2004 und führt
es bis Ende 2007. - Beim Weinheimer Senioren-Convent übernahm der
Vorort Karlsruhe mit Lutz Fischer (Franconia Karlsruhe) an der Spitze
im Juli die Amtsgeschäfte.
Neues
Mitglied der Rudelsburger Allianz
Alljährlich
am Wochenende nach Pfingsten treffen sich auf der Rudelsburg die vor
der Wende in der DDR gegründeten und im Freundschaftsbund der Rudelsburger
Allianz vereinigten Studentenverbindungen, um die vor der "Wende"
entstandenen Traditionen zu pflegen. Höhepunkt ist jeweils samstags
der "Rudelsburger Allianzkommers". In diesem Jahr konnte als
14. Mitglied überraschend die Burschenschaft Gaudea zu Köthen/Anhalt
als neues Mitglied der Allianz begrüßt werden. Die Verbindung
wurde am 16. März1989 in Köthen/ Anhalt von sieben Gründungsburschen
gestiftet. Sie führt die Farben grün-gold-grün, bekennt
sich zum Wohlspruch "Freiheit- Treue-Redlichkeit", besteht
als Alterrenbund und gehört keimen Dachverband an.
Heither
referiert beim Verfassungsschutz
Am 8. Oktober
2003 wird auf einer Tagung
des NRW-Verfassungsschutzes in Düsseldorf Dietrich Heither
über "Neurechte Einflüsse auf studentische Verbindungen"
sprechen. Heither ist als korporationskritischer Autor einschlägig
in Erscheinung getreten, etwa in seinem Sammelwerk "Füxe,
Burschen, Alte Herren". Zum gleichen Thema wie beim NRW-Verfassungsschutz
referierte Heither beispielsweise bei der PDS, beim Antifaschismus-Arbeitskreis
des AStA Heidelberg, der rätekommunistisch-anarchistischen Gruppe
Freiburg und der PDS. Zu diesem Thema promovierte er auch bei dem als
Mitgründer der DKP-Vorfeldorganisation "Bund Demokratischer
WissenschaftlerInnen" hervorgetretenen Reinhard Kühnl. Heither
trat 1998 bei einer Konferenz der PDS in Nürnberg mit den früheren
PDS-Bundestagsabgeordneten Jelpke und Elm sowie Kühnl und Butterwegge
auf. Heither ist gemeinsam mit Elm Herausgeber eines Buches zum von
ihm beim NRW-Verfassungsschutz behandelten Thema. Auch Elm ist Mitglied
des Marxistischen Forums und war in der DDR Hochschullehrer für
Marxismus-Leninismus. (mitgeteilt von H. Lönnecker)
Neues
aus dem CV
Der
deutsche CV hat bei seiner Cartellversammlung am Fronleichnamswochenende
2003 seine 122. Verbindung aufgenommen: Die KDStV Guelfia zu Würzburg
gehörte ehemals dem Technischen Cartellverband (TCV) an, trat aber
wegen der dort möglichen Aufnahme von Frauen- und Protestanten
aus diesem Verband aus. Zum neuen CV-Seelsorger gewählt wurde der
Würzburger Domkapitular Günter Putz (KDStV Markomannia Würzburg).
Diese Wahl fand im Einvernehmen mit der Deutschen Bischofskonferenz
statt.
Studentenverbindung
in London
Nun gibt es eine zweite deutschsprachige Studentenverbindung
in London: Am 10. Mai 2003 wurde die Katholische Europäische Landsmannschaft
Gregoriana zu London gegründet. Die Farben sind Rot-Weiß-Gold,
der Wahlspruch lautet "Viribus Unitis", und die Korporation
bittet aktive Mitglieder katholischer Verbindungen, sich während
eines Studiums in London bei ihr zu melden. Kontakt: Thomas Spannring,
Tel.: 0044-7957157192, Email: chc-gregoriana@lycos.com.
Bisher ist in London und ganz Großbritannien nur eine deutschsprachige
Verbindung bekannt, der Corpsstudenten-Verband Scotto-Germania (gegründet
1975).
Burschenschaft
jetzt Corps
Die frühere Burschenschaft Frisia Göttingen ist jetzt ein
Corps und renonciert beim SC zu Hannover. Grundlage ist eine Entscheidung
vom 12. April 2003, aus der Deutschen Burschenschaft auszutreten und
wieder Corps zu werden. Frisia kehrt damit zu ihren historischen Wurzeln
zurück: Die Korporation läßt sich bereits 180 nachweisen;
sie war Kösener Corps, dann Landsmannschaft, bevor sie 1914 in
die Deutsche Burschenschaft eintrat, die sie nun wieder verließ.
Ein prominenter Göttinger Friese ist der frühere Berliner
Wissenschaftssenator George Turner.
Neuer
WVAC-Vorstand
Im Weinheimer Verband Alter Corpsstudenten hat ein neuer Vorstand am
31. Januar 2003 die Geschäfte übernommen. Vorsitzender ist
nun Dr. Wulf Thommel (Corps Vitruvia); der bisherige Vorsitzender Dr.
Burkhard Meister (Corps Hannovera) bleibt als Beirat im Vorstand.
Korporationen
in Rumänien und Polen
Aus
Ostmitteleuropa werden zwei Verbindungsgründungen gemeldet. Eine
christliche Schülerverbindung ist im siebenbürgischen Klausenburg
(Cluj) entstanden: Am Colegiul National George Cusbuc wurde am 15. März
die Audacia Napocensis gegründet, Farben: Gold-Hellblau-Weiß.
Hilfe leisteten dabei fünf Angehörige des österreichischen
MKV, darunter GDS-Mitglied Heinrich Kolussi; am 5. September wird der
Promulgationskommers geschlagen - im Rahmen der von Raimund Lang initiierten
Siebenbürgenfahrt. Kontakt über Mihai-Tudor Grigoras, Aleea
Baita 8/B/1, RO-3400 Cluj Napoca, Tel. 0040-723-403177. In Polen wurde
der "Verein Deutscher Hochschüler zu Oppeln" gegründet.
Wie der schon bestehende VDH zu Ratibor kooperiert auch der neue Verein
mit dem Verband der Vereine Deutscher Studenten. Nähere Informationen
im Internet (deutsch und polnisch) unter http://www.vdh-oppeln.vdg.pl.
Rückmeldegebühren
melden sich zurück
Unverhofftes
Wiedersehen mit vor einem halben Jahrzehnt ausgebenen Geld: Akademiker,
die 1998 und 1998 in Baden-Württemberg studiert haben und dort
Rückmeldegebühren von jeweils 100 Mark pro Semester entrichten
mußten, erhalten das Geld nun zurückerstattet - und zwar
unabhängig davon, ob sie gegen das Land geklagt hatten oder nicht.
Es muß aber ein Antrag beim Stuttgarter Wissenschaftsministerium
gestellt werden, und wenn alle Berechtigten dies tun, kommen auf das
Ländle Kosten von 36 Millionen Euro zu. Das Bundesverfassungsgericht
hatte die Gebühr für verfassungswidrig erklärt, weil
sie mehr als zehnmal so hoch war wie die tatsächlichen Verwaltungskosten
für eine Rückmeldung. Nicht betroffen sind die - ebenfalls
verfassungsrechtlich umstrittenen- Immatrikulations- und Rückmeldegebühren
für Langzeitstudenten.
Bafög-Mittel
fließen zurück
Zehntausende
Studenten müssen zu Unrecht erhaltene Bafög-Leistungen zurückzahlen.
Die Betroffenen hätten damit bereits begonnen, auch wenn die Prüfungen
noch in keinem Bundesland abgeschlossen seien, erklärte der "freie
zusammenschluss von studentInnenschaften" (fzs). Allein in Nordrhein-Westfalen
hatte jeder vierte überprüfte Schüler und Student zu
Unrecht Bafög erhalten. Nach Angaben des NRW-Wissenschaftsministeriums
vom Mittwoch wurden dort bereits bis Mitte Juni 16 Millionen Euro zurückgezahlt.
Bundesweit sollen mehrere zehntausend Studenten und Schüler in
den vergangenen Jahren zu Unrecht Bafög erhalten haben. Sie sollen
in den Anträgen bewußt oder unwissentlich unrichtige Angaben
über vorhandenes Bankvermögen gemacht haben. Wer Bafög
bezieht, darf seit Juli 2002 maximal 5200 Euro eigenes Vermögen
besitzen und jährlich höchstens 100 Euro Zinsen kassieren.
Vor 2001 waren die Einkommensgrenzen sogar noch geringer. Das Bundesamt
für Finanzen hatte den Bafög-Ämtern Daten zu Freistellungsaufträgen
der rund 300.000 Bafög-Empfänger zur Verfügung gestellt.
Der Abgleich führte auf die Spur der Bafög-Sünder, die
mehr Vermögen und Kapitaleinkünfte hatten als erlaubt. Die
fzs verlangte, die Freibeträge auch rückwirkend zu erhöhen,
alles andere sei "unfair".