Gemeinschaft
für deutsche Studentengeschichte e.V.
Nachrichten-Archiv
2000
Ausgewählte
Informationen aus dem Studenten-Kurier
AStA
darf Verbindungen kritisieren
Der AStA einer Universität darf
sich in eigenen Veröffentlichungen kritisch über Studentenverbindungen
äußern. Mit dieser Entscheidung hat das Oberverwaltungsgericht
Bremen die bisherige Rechtsprechung zum von vielen Vertretern der Verfaßten
Studentenschaft beanspruchten "politischen Mandat" modizifiziert
(Az.: 1 B 143/99, veröffentlicht in Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht
2000, 342).
Nach Auffassung des Gerichts ist der AStA "befugt, eigene Positionen
zu Vorgängen innerhalb der Studentenschaft zu begzhiehen, wobei
aber ein Mindestmaß an Fairness gewährtleistet sein muss".
Der AStA dürfe die Meinungsbildung in der Studentenschaft also
nicht einseitig dominieren.
Mit dieser Begründung entschied das Gericht über die Beschwerde
eines Studenten, der dem AStA per Einstweiliger Verfügung untersagen
lassen wollte, gegen Studentenverbindungen und speziell gegen Burschenschaften
gerichtete Verlautbarungen abzugeben. Der Erlaß der Einstweiligen
Verfügugn war abgelehnt worden, die Beschwerde des Studenten hatte
teilweise Erfolg: Der AStA kann zwar nicht verpflichtet werden, jede
gegen Verbindungen gerichtete Meinungsäußerung zu unterlassen.
Das hatte der Student erreichen wollen, er verlangte eine Beschränkung
auf weltanschaulich und politisch neutrale Sachdarstellungen. Nach Auffassung
des Gerichts ist eine Stellungnahme zu Studentenverbindungen eine hochschultypische
Angelegenheit, bei der der AStA zur Meinungsäußerung befugt
ist. Allerdings muß der AStA diffamierende Äußerungen
unterlassen und den Studentenverbindungen die Möglichkeit geben,
ihren Standpunkt darzulegen.
Konkret entschied das Gericht, daß auch polemische und wenig differenzierte
Darlegungen des AStA zulässig sind. "Die Grenze ist allerdings
überschritten bei der - als Überschrift benutzten - Äußerung
'Werft die Purschis zu Boden / Das Pack breitet sich aus - Burschenschafter
bekämpfen - in Bremen und anderswo
'" (Hinweis von Axel
W. O. Schmidt).
CVer
Merz neuer Unions-Fraktionschef
Nach dem Rücktritt von Wolfgang Schäuble wurde der Abgeordnete
Friedrich Merz (Brilon) zum Fraktionschef der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen
Bundestag gewählt. Merz gehört der CV-Verbindung Bavaria Bonn
an.
MKV
reagiert mit Besorgnis
"Mit
Besorgnis" hat das Präsidium des österreichischen Mittelschüler-Kartellverbandes
(MKV) darauf reagiert, "dass mit der FPÖ nunmehr eine Partei
Regierungsverwantwortung übernimmt, die sich in den vergangenen
Jahren wiederholt durch Äußerungen hervorgetan hat, die die
gebotene Distanz zur Ideologie des Dritten Reiches in Zweifel zu ziehen
geeignet ist, die mit ihrer Sprache und Wortwahl einen fragwürdigen
politischen Stil gepflegt und jedenfalls in Wien mit ihrem betont ausländerfeindlichen
Wahlkampf auf inakzeptable Art und Weise Stimmung gegen Menschen gemacht
und den Nährboden für Ressentiments bereitet hat". Dennoch
müsse die aus demokratisch gewählten Parteien zusammengesetzte
Regierung respektiert werden. Den Boykott der 14 EU-Partner, die die
bilateralen Beziehungen zu Österreich eingefroren haben, bedauert
das MKV-Präsidium.
Drei
Tote auf Verbindungshaus
Bei
einem Brand im Haus einer studentischen Verbindung in Bloomsburg (US-Bundesstaat
Pennsylvania) sind Ende März drei Mitglieder ums Leben gekommen.
Das Feuer in dem alten Holzhaus des Bloomsburger Chapters Pi Beta der
Verbindung Tau Kappa Epsilon war am 19. März, einem Sonntag, um
sechs Uhr morgens ausgebrochen. Drei weitere Studenten konnten sich
durch Sprünge aus dem Fenster im zweiten Stock retten. Die Ursache
des Feuers ist unklar. Bei einer Brandschau im Oktober waren zwar schwere
Mängel an elektrischen Heizkörpern festgestellt worden, die
aber nach Angaben von Universitäspräsidentin Jessica Kozloff
danach größtenteils behoben worden waren. 1994 waren ebenfalls
in Bloomsburg fünf Menschen in einem Verbindungshaus verbrannt.
SB
trauert um Fritz Fischer
Der
Schwarzburgbund trauert um eines seiner bekanntesten Mitglieder, den
Historiker Prof. Fritz Fischer (Uttenruthia Erlangen), der am 1. Dezember
1999 im Alter von 91 Jahren gestorben ist. Fischer, geboren 1908, gehörte
der Uttenruthia seit 1926 an. Mit seinem Buch "Griff nach der Weltmacht.
Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18" löste
er eine Kontroverse um die Schuld am Ersten Weltkrieg und den Aspekt
von Kontinuität und Wandel im deutschen Nationalstaat aus. Die
"Fischer-Kontroverse" hatte weit mehr an wissenschaftlicher
Substanz als der "Historikerstreit" der 80er Jahre. Fischer,
der sicher zu den bedeutendsten deutschen Historikern gerechnet werden
kann, hat sich im SB immer zu Hause gefühlt; die verbandsinterne
Krise der 80er Jahre sah er als "Streit der Generationen".