Gemeinschaft
für deutsche Studentengeschichte e.V.
Nachrichten-Archiv
1999
Ausgewählte
Informationen aus dem Studenten-Kurier
Fakultätentage
und Hochschulverband versus HRK
Studienreform und Leistungsbewertung haben zu heftigen Konflikten zwischen
der Hochschul-Rektorenkonferenz (HRK) und anderen Wissenschaftsorganisationen
geführt.
Die deutschen Fakultätentage fühlen sich von der HRK nicht
mehr vertreten. Das teilte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der
Fakultätentage, der Mannheimer BWL-Professor Alfred Kieser, Anfang
Oktober mit. Die Vorsitzenden der Fakultätentage - also die von
den Fakultäten an deutschsprachigen Universitäten gewählten
Spitzenvertreter ihrer Disziplinen - kritisierten bei ihrer Sitzung
am 21. September vor allem die Position der HRK zur Hochschulreform.
Die von der HRK angestrebten Bachelor- und Master-Studiengänge
nach angloamerikanischem Vorbild würde nach Auffassung der Fakultäten
die deutschen Diplomstudiengänge "kannibalisieren". Auch
die von der HRK befürwortete leistungsabhängige Besoldung
trifft in der vorgeschlagenen Form auf den Widerstand der Fakultätentage.
Es werde kein Unterschied zwischen den verschiedenen Disziplinen gemacht,
einige Schlüsseldisziplinen würden nicht berücksichtigt.
Außerdem stellte die geplante Rolle der Universitätsleitungen
bei der Leistungsbewertung einen fachfremden Eingriff dar.
Der Beschluß der Fakultätentage ist bereits das zweite Mißtrauensvotum
von Professoren-Kollegen gegen den HRK-Präsidenten Klaus Landfried.
Im Sommer hatte sich Landfried mit der Forderung unbeliebt gemacht,
faule Professoren zu entlassen; er hatte sich damit an die Seite der
nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Gabi Behler (SPD)
gestellt, die die Leistung der Professoren stärker kontrollieren
und eine Präsenzpflicht an den Hochschulen einführen will.
Sie sollen nach Behlers Auffassung ihre Lehrveranstaltungen auf eine
bestimmte Anzahl von Tagen verteilen.
Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Hartmut Schiedermair,
sprach von einer wochenlangen Diffamierungskampagne. Landfried selbst
sei als Wissenschaftler nicht besonders hervorgetreten. Die wenigen
schwarzen Schafe, die es unter den Professoren gebe, könnten auch
heute schon entlassen werden.
Wechsel
bei VAC und KSCV
Gerhard
Daniel (Palaimarchia-Masovia, Palaiomarchia) wird als Erster Vorsitzender
den Verein Alter Corpsstudenten (VAC) in der Amtsperiode 2000-2003 leiten.
Er steht an der Spitze des künftigen Vororts Halle-Salzmarkt, der
im kommenden Jahr den bisherigen Vorort Würzburg mit Rolf Heinrichs
(Franconia) an der Spitze ablösen wird. Unter Heinrichs hatten
die Kösener Corps erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit gefunden,
wobei Auseinandersetzungen mit den katholischen Verbänden einerseits,
dem CDA andererseits eine wichtige Rolle spielten. Sein Nachfolger Gerhard
Daniel, Apotheker aus Kiel, ist bereits in vielfältiger Funktion
beim VAC hervorgetreten, so jüngst durch die Gründung eines
"Service Centrums Corps" für die corpsstudentischen Verbände.
Gerhard Daniel gehört übrigens der GDS seit 1989 an und entstammt
einer korporationsstudentisch engagierten Familie: Sein Bruder Werner
Daniel gehört den CV-Verbindungen Hercynia Freiburg und Markomannia
Würzburg an, sein verstorbener Vater Erich Daniel war ebenfalls
Würzburger Markomanne.
Im Kösener Senioren-Convents-Verband hat der SC zu Kiel den Vorort
für die Amtsperiode 1999/2000 übernommen. 1. Vorortsprecher
ist Reinhard Hein (Holsatia). Für die Amtsperiode 2000/2001 konnte
noch kein Vorort gefunden werden, da sowohl der SC zu Köln als
auch der zu Leipzig keine Möglichkeit sahen, die Vorortsgeschäfte
zu übernehmen.
Völkerkommers
in Göttingen
Der
"Gesamtbaltische Völkerkommers" fand dieses Jahr in Göttingen
statt. Sogar der FAZ war das Ereginis, das Ende Mai mehrere hundert
Studenten, Alte Herren und Gäste aus Estland, Lettland und Deutschland
zusammenbrachte, eine Meldung wert (am 26. Mai 1999).
CDA
bemüht sich um Ausgleich
Der
Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA) bemüht sich intensiv
darum, das Verhältnis zum ausgeschiedenen Verband Alter Corpsstudenten
(VAC) wieder zu verbessern. Auf dem CDA-Frühjahrsconvent in Bonn
wurde einstimmig beschlossen, die am Streit nicht beteiligten Verbände
um Vermittlung zu bitten. Im VAC beantragte der AHSC Siegen den Wiedereintritt
in den CDA. Einhellig wird im CDA davon ausgegangen, daß der bisherige
Vorstand unter Walther Benno Kießel (VAC) im Herbst für eine
neue Amtsperiode wiedergewählt wird, sofern rechtlich möglich.
Im VAC wird ab dem Jahr 2000 ein neuer Vorstand mit Gerhard Daniel (Palaiomarchia
Halle) an der Spitze amtieren.
Neuer
Verband im Süden
Die
Technische Vereinigung Coburgia zu Coburg und die Ingenieur-Verbindung
Hildburgia zu Coburg haben einen neuen "Verband Süddeutscher
Verbindungen" (VSV) gegründet, der für alle farbentragenden
Hoch- und Fachhochschulverbindungen in Süddeutschland offen ist.
Außerdem wurde ein Akademischer Zirkel gegründet, in dem
Einzelpersonen Mitglied werden können, die nicht VSV-Angehörige
sind, aber dem Verband nahestehen. Der Verband führt einen Wappen
und einen Zirkel (siehe Abbildung). Entstanden ist der VSV auf Initiative
von Bünden des ehemaligen Landesverbandes Süd des BDIC, die
diesen Verband 1997 verlassen hatten; von usprünglich sieben Initiatoren
fanden sich dann aber nur zwei zur Verbandsgründung zusammen. Gründungsdatum:
19. Dezember 1998; Geschäftsstelle: Martin Lohmann, Sperberweg
10, 90537 Feucht.
Freundeskreis
chilenischer Burschenschaften
Vom
22. bis zum 25. Mai trafen sich über 100 Teilnehmer zur Jahrestagung
des "Freundeskreises der Chilenischen Burschenschaften in Deutschland"
(FCBD) im Haus Hainstein unterhalb der Wartburg. Der FCBD besteht seit
1966; ihm gehören etwa 60 Alte de Herren der fünf chilenischen
Burschenschaften an, außerdem etwa 40 andere Mitglieder. Darunter
sind Nichtkorporierte ebenso wie ehemlige Stipendiaten der Deutschen
Burschenschaft in Chile. Das Jahrestreffen 2000 wird an Pfingsten im
Raum Mainz stattfinden, 2001 ist der Raum Stuttgart an der Reihe. Kontakt:
Günther Jüllich (Ripuaria Vina del Mar), Karneidplatz 12,
D-81547 München, Tel. (089) 64 81 44.
Vorstandswechsel
vom VVDSt
Nach
sechs Jahren hat Diethelm Keil den Verbandsvorsitz des Verbandes der
Vereine Deutscher Studenten (VVDSt) an Karl Strackenbrock übergeben.
Strackenbrock, Mitglied des VDSt Köln, ist Manager der Schweizer
Niederlassung des US-Verpackungskonzerns CPC. Als seine Aufgabe betrachtet
er es, den Verband ideell, personell und finanziell auf die Situation
einzustellen, daß die Altherrenschaft vieler Bünde schrumpft
und damit in absehbarer Zeit auch die Finanzgrundlagen des Verbands
und seiner Vereine knapp werden. Auf Antrag des VDSt Leoben hat der
Satzungskontrollausschuß des Verbandes unterdessen eine Satzungsänderung
ausgesetzt, nach der der VVDSt sich für Nichtdeutsche (und Nicht-Österreicher)
öffnen sollte. Der Ausschuß erkennt einen Widerspruch darin,
daß die Verbandssatzung allen Mitgliedern bestimmte Pflichten
"als Angehörige des Deutschen Volkes" auferlegt. Dieser
Widerspruch sei aber behebbar.
ATB
gibt sich Leitlinien
Ein
ausdrückliches Bekenntnis zur demokratischen Grundordnung in Deutschland
und Österreichs sowie zur Einigung Europas findet sich in den Leitlinien,
die sich der Akademische Turnbund (ATB) beim letzten ATB-Tag im November
1998 in Bonn gegeben hat. Der ATB setzt sich danach für die Erhaltung
von Natur, Umwelt und Heimat ein, erstrebt eine ganzheitliche und lebenslange
Bildung seiner Mitglieder und betrachten sowohl den Breiten- als auch
den Wettkampfsport als Beitrag zur Persönlichkeitsbildung.
Kösener
Alte Herren nicht mehr im CDA
Der
Verband Alter Corpsstudenten (VAC), Organisation der Kösener Alten
Herren, hat zum 31. Dezember 1998 den Convent Deutscher Akademikerverbände
(CDA) verlassen. Mit diesem einstimmig gefaßten Beschluß
des VAC-Gesamtausschusses haben die Auseinandersetzungen der corpsstudentischen
Verbände mit den Korporationsverbänden ihren Höhepunkt
erreicht, nachdem diese Verbände schon zuvor ihre Teilnahme am
Festakt der Korporationen in der Frankfurter Paulskirche abgesagt hatten.
Der VAC-Vorsitzende Rolf Heinrichs war mit dem Versuch gescheitert,
den CDA zur Ablösung seines Vorsitzenden Walther Benno Kießel
(Corps Franconia München) zu zwingen.
Sowohl
bei den Kösener als auch bei den Weinheimer Corpsstudenten wurde
der Abgrenzungskurs der Verbandsführungen gegenüber dem CDA
und gegenüber der Deutschen Burschenschaft kontrovers diskutiert.
Bei den Weinheimer Alten Herren forderte der frühere CDA-Vorsitzende
Dr. Manfred Mach den derzeitigen WVAC-Vorsitzenden Prof. Dieter Schmoeckel
zum Rücktritt auf; eine außerordentliche Mitgliederversammlung
des WVAC in Weinheim stärkte Schmoeckel jedoch den Rücken.
Bei beiden Corps gab es insbesondere in der Altherrenschaft heftige
Kritik an Heinrichs und Schmoeckel. Für die aktiven Corps erklärten
die Vorortsprecher Gerd Belusa (KSCV) und Niclas Gottschalk (WSC), die
Absage der Teilnahme in Frankfurt sei von vielen Aktiven als "gelungende
Darstellung der Corpsverbände in der Öffentlichkeit"
bewertet .
Korporierter
im Kabinett Schröder
Auch
der neuen rot-grünen Bundesregierung gehört ein Korporierter
an: Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) ist Mitglied
der CV-Verbindung KDStV Churpfalz Mannheim. Dem Bundestag gehört
er nicht an.