[Homepage]

Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte e.V.

Nachrichten-Archiv 1998
Ausgewählte Informationen aus dem Studenten-Kurier

Paulskirche: Corps scheren aus
Die Kösener und Weinheimer Alten Herren haben eine offizielle Teilnahme am Festakt der Korporationen in der Frankfurter Paulskirche am 4. Oktober abgelehnt. Privat konnten sich Corpsstudenten allerdings anmelden, zumal der Festakt maßgeblich von dem Corpsstudenten Günter Paul (Saxonia Leipzig) organisiert wurde.
Zur Begründung für ihren Rückzug erklärten die Vorsitzenden des Verbandes Alter Corpsstudenten und des Weinheimer Verbandes Alter Corpsstudenten, Rolf Heinrichs und Prof. Dieter Schmoeckel, die Deutsche Burschenschaft (DB) habe einen "nicht gerechtfertigten Einfluß" auf Organisation und Teilnehmerkreis genommen. Die Unabhängigkeit des Convents Deutscher Akademikerverbände (CDA) als Veranstalter sei daher nicht mehr gewährleistet. Die Corps wollten nicht als "trojanische Esel" für die DB dienen, in der es eine Reihe von Verbindungen gebe, "in denen nachweisbar rechtsextremistisches und nationalistisches Gedankengut vertreten wird und in denen frauenfeindliche und rassistische Ideen fröhliche Urständ feiern".
Heinrichs und Schmoeckel reagierten damit darauf, daß die Deutsche Burschenschaft am Wochenende des Paulskirchen-Festaktes eine Reihe eigener Veranstaltungen in Frankfurt angesetzt hatte, darunter einen nächtlichen Fackelzug zur Paulskirche und eine Gedenkveranstaltung für Heinrich von Gagern. Auch der CDA-Vorstand kritisierte, "daß sich die deutsche Burschenschaft nicht korrekt verhalten hat und praktisch mit diesen beiden Veranstaltungen in der Öffentlichkeit dem Festakt den Charakter einer burschenschaftlichen Veranstaltung aufdrückt". In scharfer Form wandte sich CDA-Pressesprecher Gerhard Serges aber auch gegen das Verhalten der beiden Corpsverbände. Mit der Erklärung, die Heinrichs und Schmoeckel über den "Original-Text-Service" der Deutschen Presse-Agentur an die deutschen Tageszeitungen und Rundfunksender geschickt hatten und die auszugsweise zuvor bereits im Spiegel zu lesen war, sei "unabsehbarer" Schaden angerichtet worden.
Die beiden neuen Vororte des Kösener Senioren-Convents-Verbandes (Jena) und des Weinheimer Senioren-Convents (Berlin) kündigten in der gemeinsamen Verbandszeitschrift Der Corpsstudent an, sie wollten "die Eigenheiten der Corps und ihre gehobenen Ansprüche im Vergleich zu den anderen Korporationen" herausstellen. Die Mitarbeit in CDA und CDK werde deshalb kritisch überprüft. Dazu erklärte Serges unter anderem, der CDK-Vorstand 1995/97 sei fast ausnahmslos von Corpsstudenten gestellt worden, "die den CDK fast ins 'Aus' geführt hätten". Vor den Corps hatten sich bereits die katholischen Verbände KV und UV vom Paulskirchen-Festakt distanziert (ausführlicher Hintergrund im Studenten-Kurier 4/1998).

Frauenfrage: Rechtsstreit im UV beendet
Im UV darf es nun definitiv Studentinnenvereine geben. Das Landgericht Bonn verwarf zwei Beschwerden der Unitas Hetania Würzburg und von Mitgliedern der Unitas Batavia Passau gegen den entsprechenden Verbandsbeschluß (Az.: 18 O 105/98); Kernargument der Richter war, daß nicht einzusehen sei, was sich durch die Aufnahme von Studentinnen an der "grundsätzlichen Zweckrichtung" des Verbandes ändere. Kläger und Verbandsvorstand erklärten ihren Rechtsstreit danach für erledigt. Die Düsseldorfer Generalversammlung 1998 bestätigte die Aufnahme von Frauen überdies nochmals mit einer Mehrheit von 78 Prozent der Stimmen. Für das Vorortjahr 1998/99 übernahm Unitas Reichenstein Aachen mit Vorortspräsident Johannes Schmitz die Führung des aktiven Verbandes.

Keine Schmähkritik an Korporationen
Äußerungen eines AStA mit dem Ziel, studentische Verbindungen zu bekämpfen, sind weder vom Aufgabenkreis des AstA, hochschulpolitische Belange der Studierenden wahrzunehmen, noch vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Dies hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel beschlossen (Aktzenzeichen: 8 TG 1084/98).
Der AStA der Universität Marburg hatte mehrfach erklärt, einer seiner Arbeitsschwerpunkte sei die "Bekämpfung der Burschenschaften, Korporationen und aller anderen studentischen Verbindungen". AStA-Referate riefen mehrfach zu einem solchen Kampf auf. Ein Student beantragte daraufhin erfolgreich, dem AstA solche Äußerungen zu untersagen. Laut VGH hat der Student "als Mitglied der Studentenschaft als eines öffentlichen Verbandes einen Anspruch darauf, daß sich der Verband auf die ihm zugewiesenen Aufgaben beschränkt". Es sei nicht erkennbar, wieso "Schmähkritik an studentischen Gruppen" hochschulpolitischen oder sozialen Belangen der Studenten oder der politischen Bildung diene.

GDS: Jetzt 2000 Mitglieder
Die GDS gewinnt mehr und mehr Zulauf: Zum Ende des Sommersemesters 1998 konnte der GDS-Vorstand das 2000. Mitglied begrüßen - Carl Eduard Witt aus Aachen. Herr Witt gehört dem Corps Saxonia Berlin zu Aachen im Weinheimer SC an. Und es gibt immer weitere Neubeitritte. Anfang September war eine Zahl von 2035 Mitgliedern erreicht - 88 mehr als zu Jahresbeginn (1947).

Trauer um Alfons Fleischmann
Am 21. August 1998 starb in Eichstätt Prälat Prof. Dr. Alfons Fleischmann, Gründungsrektor der Kirchlichen Gesamthochschule Eichstätt und ehemaliger CV-Altherrenbundsvorsitzender. Geboren wurde er am 26. Mai 1907 in der Lochmühle bei Hilpoltstein. In Eichstätt studierte er Philosophie und Theologie und erhielt dort 1931 die Priesterweihe. Während seines Promotionsstudium in München trat er am 26. November 1936, kurz vor dem Verbot der katholischen Verbidungen, der Aenania bei. Ab 1941/42 wirkte er als ao., ab 1946 als o. Hochschulprofessor für Moral- und Pastoraltheologie an der Bischöflichen Phil.-Theol. Hochschule Eichstätt. 1958 wurde er Stellvertreter des Kanzlers der Pädagogischen Hochschule Eichstätt. 1972 bis 1976 war er Gründungsrektor der Kirchlichen Gesamthochschule Eichstätt, dem Vorläufer der heutigen Katholischen Universität Eichstätt. 1975 wurde er emeritiert.
Alfons Fleischmann war von 1952 bis 1964 CV-Seelsorger. 1968 übernahm er das Amt des CV-Rats- und Altherrenbund-Vorsitzenden, das er bis 1972 innehatte. Alfons Fleischmann war Bandphilister von 23 CV- und zwei ÖCV-Verbindungen. Im Beisein des CV-Vorortes wurde er am 27. August in seiner Heimat bestattet. Der GDS hat Alfons Fleischmann seit 1979 angehört.

"Sport-Corps" suspendiert
Die "Deutschen Sport-Corps Markomannia" haben ihre sechs Aktivitates in Bochum, Hamburg, München, Bonn, Mainz und Köln suspendiert. Die Altherrenschaft mit nach Angaben der Korporation rund 200 Mitgliedern besteht weiter. Die Korporation war 1965 als "Deutsche Ruderschaft Markomannia" gegründet worden und trug die Farben weiß-grün-gold.

Katholische Korporation in Litauen
Mit Unterstützung des KV wurde in Litauen die erste katholische Korporation des Landes gegründet - Tautito Kaunas. KV-Ratsvorsitzender Wolfgang Löhr und Dietrich Kawohl sind Ehrenmitglieder der Korporation, die die Farben gold-schwarz-grün führt.
Niederlande: Demütigende Einführungsriten
Depositionsriten haben zu Auseinandersetzungen an der Katholischen Universität Nimwegen geführt: Dort können Studentinnen und Studenten wie auch an anderen niederländischen Hochschulen Studienpunkte sammeln, wenn sie an "Einführungswochen" teilnehmen, zu denen auch die "Entgrünung" gehört. In Nimwegen ist es dabei für Erstsemester beiderlei Geschlechts üblich, mit nacktem Oberkörper durch die Stadt zu laufen. Während der Dekan der Fakultät für Biologie derartige Spiele als förderlich für den "Gemeinschaftssinn" verteidigte, schrieb Rektor T. van Els in der Universitätszeitung "KU Nieuws": "Man ist hier viel zu weit gegangen. So werden die Sitten der Nimwegener Einführungswoche verdorben." Auch an anderen Universitäten sind umstrittene Depositionsrituale üblich. In Leiden und Delft marschieren die Erstsemester im Gänsemarsch durch die Stadt, müssen auf Kommando über die Straße robben und zotige Lieder singen. In Groningen starb letztes Jahr ein 18jähriger Student, der bei der "Entgrünung" einen Liter Genever getrunken hatte.
In Frankreich hat die Regierung eine Kampagne gegen die dort als "Bizoutage" bekannten entwürdigenden Aufnahmerituale begonnen. Seit Juni wird die Teilnahme daran mit einer Geldstrafe oder sogar mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft.

Burschen kehrten nach Landau zurück
Landau in der Pfalz, in der Vergangenheit mehrfach Tagungsort der Deutschen Burschenschaft, kann vom 12. bis zum 14. Juni wieder die Teilnehmer eines Burschentages begrüßen: Die Neue Deutsche Burschenschaft hät dort ihren Burschentag ab. Dem Burschentag liegen drei Aufnahmeanträge vor (Alemannia Bonn, Arminia Karlsruhe, Frankonia Gießen), so daß der NDB nun 17 Mitgliedsbünder umfaßt. Vorsitzende ist die Burschenschaft Ulmia Stuttgart mit ihren Repräsentanten Friedemann Högerle, Matthias Weber und Rainer Schwenk.

Keine Frauen im MKV
Den Korporationen des österreichischen Mittelschüler-Kartellverbandes (MKV) bleibt die Aufnahme von Mädchen auch weiterhin versagt. Auf der 56. Kartellversammlung in Tulln srachen sich 80 Prozent der Delegierten nach einer langen und diszipliniert geführten Debatte gegen die Aufnahme von Mädchen auf. Verbindungen, die sich in Zukunft nicht an den Beschluß halten, wurde empfohlen, aus dem MKV auszuscheiden. Einem freundschaftlichen Abkommen mit einem eventuellen künftigen Verband gemischter Korporationen stehe nichts im Wege, und der MKV will auch die Aufnahme eines solchen Verbandes in den Europäischen Kartellverband christlicher Studentenverbände (EKV) unterstützen.

Kritik wegen Schirmherrschaft
Im Kreuzfeuer der Kritik steht der Präsident der Technischen Universität München, Prof. Wolfgang Herrmann, wegen angeblicher Nähe zu Rechtsradikalen. Der - nicht korporierte - Herrmann hatte dem Ball des Wiener Korporations-Ringes (des Zusammenschlusses der schlagenden und national-freiheitlichen Korporationen Wiens) am 30. Januar seinen Ehrenschutz gegeben. Nun fordern Politiker von SPD und Grünen seinen Rücktritt, da dem WKR auch politisch umstrittene Burschenschaften wie Olympia und Teutonia Wien angehören.

Störungen in Heidelberg
Das traditionelle Maiansingen der Studentenverbindungen in Heidelberg fand auch dieses Jahr statt - und wurde erneut gestört: Den 120 singenden Verbindungsstudenten standen am Heidelberger Schloß 150 Krawallbrüder aus dem links-autonomen Spektrum gegenüber. Schließlich räumte die Polizei den Schloßeingang.

Vorstandswechsel beim ÖPR
Beim Österreichischen Pennälerring (ÖPR), dem Dachverband national-freiheitlicher Schülerverbindungen in Österreich, geht eine Ära zu Ende. Karl Götschober, ÖPR-Vorsitzender seit zehn Jahren, gibt sein Amt in diesem Jahr auf. Ein Höhepunkt seiner Amtszeit war die Gründung des ÖPR-Schwesterverbandes APR in der Bundesrepublik 1990. Als Nachfolger hat der Verbandsconvent der Generalversammlung im Mai Walter Zell von der pennalen conservativen Verbindung Ghibellinia vorgeschlagen. Stellvertreter sollen Gernot Temmel, Udo Guggenbichler und Kurt Hausmann werden, Schriftwart Dr. Heinz Rembard. Als Säckelwart (Kassier) stellt sich Götschober zur Verfügung. Die Wiener pennale Burschenschaft Franko Cherusker, älteste bestehende Pennalie der österreichischen Hauptstadt, feierte dieses Jahr ihr 115. Stiftungsfest; vertagt wurde die Mittelschülerverbindung Arminia Gmunden.

Japans Botschafter ist Corpsstudent
Das Kaiserreich Japan wird in Indien von einem Corpsstudenten diplomatisch vertreten: Botschafter Riuichi Tanabe gehört dem Corps Saxonia Leipzig zu Augsburg an.

EKV beim Europarat
Der Europäische Kartellverband Christlicher Studentenverbände gehört seit diesem Jahr dem Vorstand (Liaison Committee) der anerkannten nichtstaatlichen Organisationen (NGO) mit beratendem Status beim Europarat an. Das Komitee besteht aus 25 der insgesamt 400 NGOs. Alle zwei Jahre wird ein Drittel des Vorstandes neugewählt. Für die diesmal zu vergebenden acht Sitze gab es 30 Kandidaten, der EKV landete schließlich auf Rang 3. Sechs Jahre lang sind die christlichen Korporationsstudenten nun im NGO-Vorstandskomitee vertreten, und zwar durch Wolfgang Fuchs, Christoph Bauch (CV und GUKS Obnowa Lemberg) und Sabine Schmidt (SchwStV).

Eklat beim Verbändegespräch
Heftige Auseinandersetzungen gab es auf dem Stuttgarter Verbändegespräch am 25. Oktober 1997, organisiert vom Convent deutscher Akademikerverbände und ausgerichtet vom KV auf dem Haus des KStV Rheno-Nicara. Während eines Referats des (nicht korporierten) Journalisten Dr. Hans-Joachim Lang kam es zum Eklat: Der Vorsitzende des Verbandes Alter Corpsstudenten (VAC), Rolf Heinrichs, unterbrach den Redner und erklärte, man sei nicht nach Stuttgart gekommen, um sich "vorführen" zu lassen. Lang, stellvertretender Chefredakteur des "Schwäbischen Tagblatts" in Tübingen, hatte sich mit Geschichte und Gegenwart der Korporationsverbände beschäftigt und sich dabei besonders mit der NS-Zeit und ihrer Aufarbeitung beschäftigt. Heinrichs bezeichnete das Gespräch später auf einer Sitzung des Kösener Gesamtausschusses als "Skandal". Die Zeitschrift "Der Corpsstudent" berichtet darüber wörtlich: "Sein Eindruck vom gastgebenden KV sei, daß mit dieser Veranstaltung die Burschenschaft habe ,vorgeführt' werden sollen, sagte Heinrichs, der sich außerdem befremdet darüber zeigte, daß hier auch betont worden sei, daß Christen Mensur und Duell ablehnten." CDA-Pressesprecher Gerhard Serges erklärte demgegenüber, das Verhalten eines Teilnehmers, der Lang zum Abbruch seines Referats aufgefordert habe, sei "recht unkorporativ" gewesen (ausführlicher Bericht in Studenten-Kurier 1/98).
Wingolf mit neuer Geschäftsstelle
Wolfgang Betzler, der langjährige Geschäftsführer des Wingolfs, hat sein Amt zum 31. Dezember 1997 an seinen Nachfolger Traugott-Ulrich Meier übergeben. Neue Adresse: Allinghofstr. 7, D-45964 Gladbeck, Tel. und Fax 0 20 43/6 23 94.

Brandunglück auf Corpshaus
Mit einem tödlichen Unglück endete ein Corpsbesuch der Konstanzer Sachsen bei Rhenania Bonn im November 1997: In der Nacht zum 9. November brach ein Brand im Dachgeschoß des Bonner Corpshauses aus. Ein 23jährige Konstanzer Sachse starb, zwei Personen erlitten eine Rauchvergiftung. Nach Ermittlungen des Landeskriminalamtes Düsseldorf war eine Halogenleuchte umgestürzt; ihre Wärme hatte das Bett in Flammen gesetzt, in dem der 23jährige schlief.

[Diese Seite ausdrucken]    

© 2003 by GDS -
Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte e.V.
Webdesign: Michael Neuß