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Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte e.V.

Nachrichten-Archiv 1997
Ausgewählte Informationen aus dem Studenten-Kurier

CV-Lexikon ist da
Die Auslieferung des von der GDS veröffentlichten "Lexikons der CV- und ÖCV-Verbindungen" von Siegfried Schieweck-Mauk hat am 19. September 1997 begonnen.
Offiziell präsentiert wird das neue Lexikon am 22. November auf dem Bonner CV-Studententag. GDS-Mitglieder können das CV-Lexikon für 69,80 Mark bestellen; für Nichtmitglieder kostet es 128 Mark - und auch das ist bei einem Umfang von 829 Seiten und 932 (!!) Abbildungen ein außerordentlich günstiger Preis, der nur durch den ehrenamtlichen Einsatz vieler Helfer möglich wurde.

Marburg: Schäden für 100.000 Mark
Randale nach dem Marburger Marktfrühschoppen vom 6. Juli 1997: Bei sieben Verbindungshäusern wurden in der Woche nach der Veranstaltung Fensterscheiben eingeworfen und die Wände mit Farbbeuteln verunstaltet. Die Polizei schätzt den Schaden auf 100.000 Mark. Betroffen waren die Häuser der Burschenschaften Alemannia, Germania Greifswald und Normannia Leipzig in der DB, der Burschenschaft Arminia in der NDB sowie der Landsmannschaften Rhenania Jena, Nibelungia und Hasso-Borussia. Die sieben Verbindungen fragen in einer Erklärung nach der "geistigen Förderung solcher Aktionen". Dabei falle der Blick "zwangsläufig auf die in Marburg führenden Kritiker des Korporationswesens" wie das Projekt "Konservativismus und Wissenschaft", die PDS und die AStA-Fraktionen, wenngleich man diesen Gruppen nicht unterstellen wolle, sie hätten die Ausschreitungen gebilligt.

Deutschland hat besonders wenig Studenten
Hat Deutschland zu viele Studenten? In der Politik wird diese Frage heiß diskutiert - eine Studie des Deutschen Studentenwerks kommt jetzt zu einem überraschenden Ergebnis: Im westeuropäischen Vergleich gibt es in Deutschland sogar besonders wenig Studenten. Mit 2,2 Prozent Studenten in der Bevölkerung liegt Deutschland an drittletzter Stelle. Anteilig weniger Studenten haben nur noch das Vereinigte Königreich und die Schweiz. Spanien hat sich inzwischen mit einem nahezu doppelt so hohen Studentenanteil (3,9 Prozent) an die Spitze gesetzt, gefolgt von Frankreich (3,8) (ausführliche Fassung in Studenten-Kurier 4/1997).

Schwebezustand beim UV
Hohe Damen präsentierten sich erstmals dem Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas (UV) bei seiner 120. Generalversammlung in Bonn: Unitas Clara Schumann stellte den Antrag, den ersten Hohe-Damen-Verein in den UV aufzunehmen. Da über den Status der weiblichen UV-Vereine aber im Verband heftig gestritten wird (wir berichteten), erhielten die Damen nur einen Assoziierungsvertrag entsprechend den Verträgen, die seit sechs Jahren mit den aktiven Studentinnenvereinen abgeschlossen werden. Der Schwebezustand wird also fortgesetzt; die im vergangenen Jahr beschlossene Satzungsänderung ist noch nicht beim Registergericht eingetragen, und ein Zivilprozeß um ihre Rechtsgültigkeit ist nach wie vor nicht ausgeschlossen.

Einigung über neues Hochschulrahmengesetz
Was schon kaum jemand noch in der Bundesstadt für möglich gehalten hat: Die Bonner Koalition hat sich mit der SPD, die die meisten Bundesländer regiert, auf ein neues Hochschulrahmengesetz geeinigt. Es soll noch in der laufenden 13. Legislaturperiode im Bundestag verabschiedet werden und mit seinen ausführenden Ländergesetzen möglichst schnell die Landtage passieren.
Das Gesetz läßt sowohl den Ländern als auch den Hochschulen selbst größeren Spielraum. Das neue Rahmengesetz gibt den Ländern (wie von Berlin und Baden-Württemberg gefordert) die Freiheit, Studiengebühren zu erheben. Es gibt kein Zentralabitur für Deutschland, aber das Abitur wird aufgewertet, weil die Hochschulen mehr Freiheit erhalten, sich ihre Studenten aufgrund guter Schulnoten selbst auszusuchen.
Von größter Bedeutung ist die Neufestlegung der Regelstudienzeit bei Diplomstudiengängen: an Fachhochschulen soll sie vier und an Universitäten (einschließlich der Studiengänge für Magister) viereinhalb Jahre betragen. Bayern und Sachsen haben bereits angekündigt, in ihre Länderverordnungen nur die einmalige Wiederholung der künftig obligatorischen Zwischenprüfung zuzulassen. Die bislang nur im Fach Jura mögliche frühe Examensprüfung, die bei Nichtbestehen auf weitere Versuche nicht angerechnet wird (der sogenannte Freischuß), soll auf andere Fächer ausgedehnt werden (ausführliche Fassung in Studenten-Kurier 4/1997).

Professoren gegen neue Rechtschreibung
Professoren haben sie gemacht, Professoren lehnen sie ab: die Rechtschreibreform. Nach einer Telefonumfrage der Zeitschrift Forschung & Lehre, Organ des Deutschen Hochschulverbandes, lehnt die Mehrheit der deutschen Professoren und Privatdozenten das Reformwerk ab, das den deutschsprachigen Teil der Menschheit mit Schöpfungen wie "behände", "Schlussstrich" und "wieder sehen" (statt "wiedersehen") beglücken soll. Befragt wurden 100 zufällig ausgewählte Habilitierte an deutschen Hochschulen; nur 23 Prozent hielten die Rechtschreibreform für sinnvoll, nur 46 Prozent wollen sie anwenden.

Campusradio mit Sendelizenz
Als erstes Campusradio in NRW erhält "Radio c.t." der Bochumer Ruhr-Universität im September offiziell eine eigene Sendelizenz. Auf der UKW-Frequenz 96,9 MHz produziert der Hochschulsender ab dem kommenden Wintersemester täglich vier Stunden Live-Radio. Rund 60.000 Bürger im Bochumer Süden werden das Programm empfangen können. Da der Sender keine Werbung machen darf, wird er über einen Freundeskreis finanziert.

GDS-Autor im Politbüro-Prozeß
Der Berliner Politbüro-Prozeß hat einen GDS-Autor bundesweit bekannt gemacht. Rechtsanwalt Dr. Manfred Studier hat den langjährigen SED-Wirtschaftsfachmann Günther Kleiber vor dem Berliner Landgericht verteidigt. Der Corpsstudent Studier, Historiker und Jurist, ist Verfasser des Buches "Der Corpsstudent als Idealbild der Wilhelminischen Ära". Ursprünglich handelt es sich um seine Dissertation; 1991 wurde sie bei der GDS als Buch veröffentlicht. 2000 Exempare sind inzwischen restlos vergriffen. - Kleiber erhielt mit drei Jahren Freiheitsstrafe ein mildes und, wie er anschließend betonte, faires Urteil.

Ehrenmäler zerstört und beschmiert
Unbekannte Täter haben in der Nacht zum 5. Mai das Ehrenmal des Coburger Convents im Coburger Hofgarten vom Sockel gestürzt und dabei zerstört. Die Täter zogen die Sandsteinskulptur mit einem roten PVC-Seil vom Sockel. Der Sachschaden wird auf mindestens 10 000 Mark geschätzt. Es gelang aber, das Denkmal bis zum Coburger Pfingskongreß zu reparieren. Der Coburger Oberbürgermeister Norbert Kastner erklärte: "Es ist ein Trauerspiel, daß einige hirnlose Zeitgenossen dieses Denkmal Jahr für Jahr mutwillig zerstören oder Gebäude beschmieren. Toleranz und demokratische Spielregeln scheinen für diese Leute Fremdwörter zu sein." Auch das Ehrenmal für die gefallenen Corpsstudenten an der Rudelsburg, der von Hermann Hosäus geschaffene steinerne Löwe, wurde geschändert. Unbekannte Täter beschmierten die Skulptur mit "antifaschistischen" Parolen.

ÖCV ohne Frauen, aber ...
Der österreichische CV nimmt auch künftig keine Frauen auf. Ein enstprechender Antrag der KAV Norica Wien wurde bei der letzten Cartellversammlung abgelehnt. Die Versammlung stellte es aber allen Verbandsmitgliedern frei, gemischten Verbindungen (außerhalb des ÖCV) beizutreten. Der KAV Norica wurde empfohlen, die bisherige reine Damenverbindung Norica Nova in eine gemischte Verbindung umzuwandeln (aufzulösen und neu zu gründen). Um das Verhältnis zwischen Norica und Norica Nova hatte es heftigen Streit im Verband gegeben (wir berichteten); nun können die Mitglieder der Norica zugleich Cartellbrüder bleiben und Bundesbrüder ihrer Bundesschwestern in der Norica Nova werden, die Frauen dürfen aber nicht in den ÖCV.

150.000 Alte Herren in Deutschland
Die deutschen Akademikerverbände haben zur Zeit rund 150.000 Alte Herren, davon 85.000 in Mitgliedsverbänden des Convents deutscher Akademikerverbände (CDA). Die konfessionellen Verbände haben 55.000 Mitglieder, sonstige Verbände und Verbindungen 10.000. In dieser Statistik - so eine vom CDA-Beauftragten des WVAC, Manfred Mach, erarbeitete Übersicht - sind die Daten der Philisterverbände reiner Damenverbindungen (derzeit rund zwei Dutzend) nicht enthalten.

Streit um die Paulskirche
Ein von der Deutschen Burschenschaft geplanter Festakt in der Frankfurter Paulskirche hat zu politischem Streit geführt. Die DB plant für den 4. Oktober 1998 einen Festakt in der Paulskirche, der an das 150. Jubiläum der Nationalversammlung von 1848/49 erinnern soll. In der Versammlung waren 150 Burschenschafter vertreten. Der Grünen-Fraktionschef im Frankfurter Stadtrat, Lutz Sikorski, wurde nach Bekanntwerden des Plans mit Äußerungen zitiert, die Burschenschaft habe eine "deutliche Affinität zum nationalsozialistischen Lager", besitze eine "höchst zweifelhafte Tradition", und die Paulskirche dürfe nicht zum "Wallfahrtsort für Rechtsradikale" werden.
Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) zog den Antrag auf Vergabe der Paulskirche zu Überprüfung zurück und will ihn später wieder vorlegen. Daraufhin verbreitete Sikorski in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 9. Februar die Falschmeldung, die Paulskirche werde nicht vermietet. Die Oberbürgermeisterin dementierte diese Behauptung erst eine Woche später. Der Beauftragte der DB für den Paulskirchen-Festakt, Karl Wolfgang Völger, erstattete Strafanzeige gegen Sikorski, da er als Repräsentant seines Verbandes durch die Äußerungen des Grünen auch persönlich beleidigt sei. Die Vorgänge sorgten für ein reges Presseecho in der Frankfurter Allgemeinen und der Frankfurter Rundschau, wobei sich die FAZ-Lokalredaktion hinter die DB stellte.

Sondershäuser Verband wird 130
Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV) feiert vom l6. bis zum 19. Mai l997 anläßlich seines 130jährigen Bestehens ein großes Verbandsfest in Sondershausen (Thüringen). Neben dem Festkommers am Samstag, dem Festakt und dem Festball Festball am Sonntag umfaßt das Programm zahlreiche Konzerte einzelner Verbindungen, ein großes Festkonzert von SV-Orchester und Chor, Theateraufführungen und einen Jazzfrühschoppen am Montag auf dem Marktplatz zum Festausklang.
Nach dem "Kleinen Fest" 1994 ist dies seit der deutschen Wiedervereinigung die erste größere Veranstaltung des Verbandes in der Stadt, deren Namen er seit 100 Jahren trägt. Der SV entstand aus einem Kartellvertrag, den der AGV München und die ALT Berlin im Jahr 1867 schlossen. Heute besteht der Verband aus 24 Verbindungen, von denen 13 gemischt sind. Sie alle setzen ihren Schwerpunkt in. musische Aktivitäten, die von teilweise hochklassigen Kammermusikensembles, Chören unnd Sinfonieorchestern bis zu Bands und Theatergruppen reichen. Neben dem Programm der einzelnen Bünde veranstaltet der Verband u. a. jährlich ein Musik- und ein Theaterwochenende mit jeweils über 100 Teilnehmern.

UV wird 150 Jahre alt
Mit seiner Generalversammlung am Gründungsort Bonn (28. Mai bis 1. Juni) feiert der Verband wissenschaftlicher katholischer Studentenvereine Unitas dieses Jahr sein 150jähriges Bestehen. Der österreichische UV überlegt unterdessen die Fusion mit dem deutschen UV; angesichts einer zusammenwachsenden EU sei die Existenz zweier getrennter Unitas-Verbände nicht mehr unbedingt nötig, hieß es bei der österreichischen Generalversammlung in Innsbruck. Diesbezügliche Beschlüsse wurden aber nicht getroffen.

Ein Korporierter im Weltall
Ein Korporierter hat Ende Februar/Anfang März an Bord der russischen Raumstation Mir die Erde umkreist: Der deutsche Wissenschaftsastronaut Reinhold Ewald gehört der AV Rheinstein im CV zu Köln an.

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